fietsers hebben voorrang

14.08.ü16 kraaienburg – hoorn – alkmaar – egmont – beverwijk – bloemendaal – 85 km

wir sind nicht mehr allein. noch nie haben wir soo viele mitradler gehabt wie heute: hunderte fietsen, vom kinderlastenrad über die unzähligen hollandräder, pedelecs und e-bikes, bis zum rad mit kanuanhänger, auch fahrrad mit pferd, alles dabei. wow! und die fahrradwege sind so angelegt, dass sie das alles fassen können, inklusive der bromfietsen, der klassischen fahrräder mit hilfsmotor, mopeds und krankenfahrstühle. meist sind es reine radwege, zweispurig und jede spur so breit, dass zwei räder nebeneinander fahren können, was hier auch erlaubt ist. die fussgänger haben meist davon getrennte eigene wege. und das ganze auf beiden strassen seiten, in jeweils beide richtungen. die radstrassen haben oft vorfahrt vor den kreuzenden autowegen. es heisst „fahrradstrasse, autos sind zu gast“. strassenüberquerungen, kreuzungen und kreisverkehre sind so gestaltet, dass man nicht absteigen muss. alles ist hervorragend ausgeschildert. die fähre in beverwijk hat zwei radspuren rechts und links, nur eine autospur in der mitte. aufpassen muss man weniger auf die autos als vielmehr auf die anderen radler. hier ist auf den wegen heute richtig was los, sonntag!

dazu kommt noch etwas rückenwind, wir brausen nach alkmaar, an zehn windmühlen vorbei, eine schöner wie die andere und bewohnt. die stadt hat enge gassen, hübsche grachten, ein orientalisch anmutendes stadhuis und eine grote kerk mit cafeteria und einer fotoausstellung mit bildern von geflüchteten.

und dann kommen die dünen. richtig „hohe“ berge, für niederländische verhältnisse, bis zu 55 meter hoch. sanddornbüsche und niedrige eichen. die leute sammeln blaue brombeeren, die dicht am boden wachsen. der südliche teil ab ijmuiden ist der nationalpark zuid-kennemerland. da muss man sogar drei gänge runterschalten, weil’s hoch geht.

der bloemendaal-camping ist voll, aber für radler haben sie immer einen platz. gott sei dank.

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alkmaar

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niederländische dünen

 

 

 

 

 

 

unter dampf

13.08.16  kraaienburg – hoorn – medemblik – und zurück

ausschlafen. frühstück. deichradeln nach hoorn. einsteigen in die stoomtram nach medemblik. mit der blankgewienerten dampflok zuckeln wir im holzwaggon die 20 kilometer nach medemblik. dafür braucht die lok 240 kg kohlen und 2000 liter wasser. puhh! alles ist echt: die bahnhöfe mit alten gepäckwagen und wartesälen. die telegrafenmasten mit porzellanisolatoren. die rote fahne, die an den übergängen geschwenkt wird. der postwagen mit postbüro und postbeamten in uniform, der aus dem zug springt und am bahnhof den briefkasten leert, mit dem postsack in den zug zurückeilt. der wagen mit den milchkannen. die fahrkarten, die abgeknipst werden. alle winken bei  der abfahrt. ein oldtimer fährt mit kindern parallel zum zug, bei der nächsten station dürfen die kinder in den zug umsteigen und andere im oldtimer fahren. ein bummel in medemblik. heute kibbelinge zum mittagessen: das ist fish and chips in kleinen stückchen, ähnlich wie chickennuggets. die panade ist lecker. andreas findet, so kann man fisch essen.

der bummel in hoorn nach der rückkehr ist schräg, denn es ist kirmes. und die ist tatsächlich in der ganzen stadt verteilt. die grossen fahrgeschäfte zwischen den häusern. stellt euch vor, das stuttgarter volksfest wäre auf der königsstrasse aufgebaut. wir kaufen ein – nochmal schräg: hier werden keine 1- und 2-cent münzen akzeptiert, wir zahlen 2 cent mehr. getränkeflaschen (1/2 liter) sind ohne pfand. wir verabschieden uns schnell aus dem rummel und lärm. ruhiger abend auf dem campingplatz.

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von meer zu meer

12.08.16 harlingen – makkum – stavoren – enkhuizen – kraaienburg – 58 km

heute grau, warm, feucht, aber nur die ersten drei kilometer noch etwas regen. wir biegen vom nordseeradweg ab und am ijsselmeer entlang nach stavoren. makkum, ein hübsches dorf mit einer besonders schönen reet-friesenmühle. hindeloopen ist ein pittorekes hafendorf mit der besonderen kunsthandwerkstradition der möbelmalerei. eine ecke und ein kanal schöner als der andere. wir schlendern und staunen.

in stavoren haben wir 1 1/2 stunden pause. hier liegt ein teil der friesenflotte, segelboote, die man mieten kann. verschiedene jugendgruppen (deutsche) packen gerade ihre sachen, schrubben das deck, usw.  hier starten und enden also viele segelfreizeiten. die fähre bringt uns übers ijsselmeer nach enkhuizen: da hat’s ganz schön wellen… die seeschwalben fischen im kielwasser.

von enkhuizen radeln wir auf der deichkrone weiter richtung hoorn- nach dem motto: rechts sind gänse, links sind gänse, dazwischen wackeln schafesschwänze. auf der einen seite das meer, auf der anderen kanal, schilf, felder mit kühen, die ersten gewächshäuser…. und dann sind wir im appelhoek-camping: ein bauernhofcamping mit bio-milchvieh, sehr nett, viele kinder. sonne kommt raus, wind bläst.

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friesenmühle makkum
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hindeloopen
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hindeloopen möbelmalerei
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stavoren hafen
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seeschwalben über dem ijsselmeer

 

 

die drei „sch“

11.08.16 sint jacobiparochie – harlingen – 29 km

1. schaf-scheisse-slalom: hatten wir – nicht nur – heute an den deichen. aber heute in der regendurchweichten form, die spritzt beim durchfahren besser. die schafe waren auch so gnädig, im letzten moment ein wenig zur seite zu gehen, damit wir vorbei kamen.

2. schietwetter: heute regen fast ohne punkt und komma. regenhose, überschuhe, anorak, mal wieder alles in gebrauch. am frühen nachmittag machen wir in harlingen schluss und retten uns ins b&b statt ins zelt, um uns und unsere sachen zu trocknen. es regnet den ganzen nachmittag. igitt. aus dem fenster schauen wir den anderen nassen radlern zu, die auf den campingplatz nebenan einfahren… die vorstellung, morgen den 30 kilometer langen abschlussdeich zwischen ijsselmeer und nordsee bei regen und gegenwind zu fahren, ist nicht lustig. wir haben aber einen tipp bekommen und planen die alternative – ihr werdet sehen…

3. schnitzel paniert: die niederlande sind nicht gerade eine kulinarische entdeckung. heute gab es zum trockenen schnitzel, wahlweise hähnchenspiesse mit sate (erdnussbutterpampensosse) zwei beilagen: pommes und backkartoffeln (frittierte gewürzte kartoffelscheiben). dafür ist es etwas teurer… nur die poffertjes, die sind lecker, besonders mit vla (zwischending zwischen vanillesosse und vanillepudding).

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nordhafen in harlingen
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aalräucherei in harlingen

 

 

deiche – gartenkunst – poffertjes

10.08.16 vierhuizen – lauwersoog – holwerd – sint jacobiparochie – 65 km

morgendlicher ritt durch ein militärgebiet, landschaftlich sehr schön und unberührt, mit sanddorn, wald, stille. lauwersoog besteht aus einem grossen fischereihafen mit fischverkauf und restaurants, einem campingplatz und der grossen schleuse. dann kommen deich, schafe, wolken, felder, deich, schafe… und wind, wind, wind… dazwischen lauter pittoreske friesendörfer. ein hof reiht sich an den anderen, alle mit schwänen als giebelschmuck. die roten klinkerhäuser haben gepflegte gärten, man kann fast englische gartenkunst sehen. mode scheint es zu sein, bäume in einer reihe an einen rahmen zu trimmen, sodass sie ganz flach wachsen, wie eine mauer.

in moddergat kehren wir in eines der scheunencafes ein: die scheuer umgebaut, nett eingerichtet, kaffee, tee, kuchen und toasties angeboten. dazu „universal soldiers“ und ähnliche songs. in wierum ist die kirchturmspitze mit einem goldenen segelschiff geschmückt. wir kommen gerade dazu, wie der hufschmied ein pferd neu beschlägt. er bringt die eisen in einem kleinen öfchen zum glühen, schmiedet sie dann ganz klassisch auf dem amboss mit dem hammer. das pferd steht in einem gestell festgebunden. sehr interessant.

und dann begegnen wir noch einem velotraum, samt besitzer! kleiner plausch am deich, dann gehts weiter: die anderen nach norden, wir nach süden.

oudebildtdijk – hier sind am alten deich, der nun ein stück ins landesinnere gerückt ist, laute kleine häuser aufgereiht, direkt an der strasse. wir radeln vorbei, irgendwann kommt nummer 608…. und dann der mini-naturcamping t’kaatsgat: klein aber fein.

heute gibt’s kartoffeln mit dem ziegenkäse vom hofladen. apropos kartoffeln: in den supermärkten findet man hier nicht die kompletten fertiggerichte wie in in norwegen, sondern regalmeterweise frisches vorgeputztes und geschnittenes gemüse, das man dann kochen kann. einzelne gemüsesorten wie blumekohlröschen oder zum beispiel einen ratatouille-mix. die kartoffeln gibt es geschält und vorgekocht, noch etwas hart, wir müssen sie nur fertigkochen. auch nicht schlecht. zum nachtisch gibt’s poffertjes, das sind mini-pfannküchle, mit vanillesosse.

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lauwersoog
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deichblicke
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friesenhof
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schwanengiebel
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hufschmied bei der arbeit

landluft wind dorfbrauerei

09.08.16 delfzijl – uithuizen – pieterburen – vierhuizen – 60 km

heute radeln wir über die friesisch-niederländischen dörfer. das bedeutet wieder: weizen, kartoffeln, zwiebeln und rüben, auch mal karotten und maisfelder. über allem liegt den ganzen tag der leckere gülle-landluftduft….

in bierum schauen wir die alte kirche aus dem 13. jahrhundert an, leider ist zu. in uithuizen geht es in die menkemaborg, eine wohnburg, die im zustand anfang 18. jahrhundert erhalten ist, inklusive innenausstattung, mit holzverkleideten kaminen, küche und dienstbotenzimmern im untergeschoss, mit zwei wasserpumpen: eine für regen-trinkwasser, eine für burggraben-spülwasser. dazu gehört die grosse gartenanlage nach dem plan von 1705, mit lustgarten, labyrinth, obstgarten, küchengarten usw. wir lustwandeln. die kleinen dörfer sind ruhig, idyllisch, die häuser mit den typischen grossen fenstern und  gepflegten gärten. in broek begegnennwir zum erstenmal frau antje: im hofladen einer ziegenfarm. wir erstehen einen kleinen laib brennesselziegenkäse und essen ein ziegenmilchsofteis, lecker!

in vierhuizen geben wir auf, der ständige gegenwind zerrt wieder mal an muskeln und nerven. wir kriegen beide etwas kopfweh. der campingplatz ist sehr schön, mit eigener überdachter tisch-bank-garnitur. heisse dusche. pause. lockern. die kneipe hat bier aus der eigenen dorfbrauerei.

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menkemaburg uithuizen
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gastfreundschaft am wege
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ohne kommentar

 

holland: auf der suche nach frau antje

08.08.16 leer – weener – bad nieuweschanz – termunterzijl – delfzijl – 70 km

windstärke 6 aus richtung west, wir halten dagegen, nachdem wir in leer noch alles erledigt haben.

schnell sind wir in holland. der wind wird mehr, die vielen andern reiseradler kommen uns alle entgegen – komisch… wir fahren kilometerlang an weizenfeldern vorbei. die mähdrescher sind im einsatz. zwischendurch ein paar ebenso endlos lange rüben- und kartoffelfelder. es geht fast immer geradeaus.

in termunterzijl ein neues riesiges schöpfwerk mit vier pumpen. denn das land senkt sich hier: durch den abbau der grossen erdgasvorkommen. ausserdem gibt es salz. delfzijl ist ein grosser umschlaghafen für beides. die dörfer davor mussten den hafen-und deicherweiterungen weichen. das dorf oterdum gibt es nicht mehr. nur der friedhof wurde beibehalten, bzw. an seinem ursprünglichen platz wieder angelegt. mitten auf dem deich stehen alte grabsteine. dazu die skulptur einer in den himmel weisenden hand. von weiwerd ist auch nur noch der friedhof und ein einziges altes haus da, ansonsten sand- und kiesberge. die fussgängerzone von delfziel strahlt den charme der 70er-jahre aus, eigentümlich leer mitten am nachmittag.

kurz nach delfzijl der kleine campingplatz auf einem bauernhof. wir werden von hühner begrüsst. sonst niemand da. sehr einfach, aber alles da, inklusive marmelade und bier im kühlschrank. frau antje sind wir noch nicht begegnet.

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termunterzijl
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oterdum friedhof au dem deich

 

leerer tag

07.08.16 leer

sonntag. pausentag. stadtführung in leer. das rathaus wurde ende des 19. jahrhunderts innen von einem stuttgarter maler gestaltet. die bürger der stadt haben ende der 70er-jahre den abriss eines grossen teils der altstadt verhindert, sonst würden da jetzt neue-heimat-häuser stehen…

die ostfriesische halbinsel ist bis beute  nicht „uniert“, sondern es gibt vor allem calvinistisch-reformierte gemeinden, dann lutherische (betonung auf dem „e“), einige katholische und die mennonitenkirche. die mennoniten haben sich um 1540 hier angesiedelt, es waren niederländische glaubensflüchtlinge. hier haben die katholischen kirchen einen hahn auf dem turm, die reformierten ein schiff – das schiff der gemeinde – und die lutherischen einen schwan. denn der tschechische reformator jan hus, der 1415 auf dem konstanzer konzil als ketzer verbrannt wurde, soll auf dem scheiterhaufen noch gesagt haben: „ihr werdet heute eine gans verbrennen, es wird aber einmal ein schwan kommen.“ dieser „schwan“ war martin luther.

bummeln, fahrrad richten, duschen, bilder sortieren… der tag geht schnell vorbei.

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leer altstadt mit rathausturm
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leer altstadtgasse

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leer lutherische kirche mit schwan

 

glückstag!

06.08.16 leer

heute ist die altstadt von leer dran: sehr hübsch, alte kirchen (zu), gassen, hafen, haneburg, krypta. geschäftigkeit: buchladen, drogerie. friseur: für beide eine schur… drachenbootrennen im hafen anschauen. bummeln. viele radfahrer, fahrradstrassen mit vorrang vor autos.

und stellt euch vor: eine marlene hat angerufen, sie hat evas handy gefunden! was für ein glück. nun bekommen wir es wieder. vielen vielen dank, marlene. wir werden uns noch melden!

das feiern sir am abend auf der texas ranch neben dem campingplatz. onionrings und fleischplatte, coleslaw usw….

 

verpasst: die 5000!

05.08.16 knock – emden – leer – bingum – 50 km

heute haben wir nachgerechnet: wir haben die 5000 verpasst! vorgestern war das schon. also stossen wir drauf an! – die 6000 schaffen wir ja gar nicht mehr auf der nordseerunde, wir haben auf den orkney- und shetlandinseln ordentlich „gespart“… aber es wird uns schon was einfallen, wo wir die 6000 und mehr vollmachen.

mit rückenwind brausen wir nach emden – und schnell hindurch. emden, das fällt uns vor allem durch die vielen radler auf, die hier kreuz und quer fahren. man muss sehr aufpassen. dann geht’s am emskanal entlang, etwas rutschig nach einem regenguss. die ditzumer fähre hat mittagspause, und 1 1/2 stunden warten, das wollen wir nicht. also fahren wir auf der rechten emsseite weiter, an der strasse lang, und auch an leer vorbei, über die brücke zum ems marina bingum. hier verbringen wir den nachmittag mit lüften, waschmaschine, trockner und co. am abend schnitzel am kiosk.

mal was zu den radwegen: die sind hier in deutschland echt gut – bis auf die stücke, die nicht gut sind. da gibt es hier dann immer ein schild: „achtung radwegschäden“. leider radelt man davon nicht besser. die querrillen und „hubbel“sind bei 20 km/h tödlich. immer wieder weichen wir einfach auf die strasse aus. liebe autofahrer, wenn wir trotz radweg auf der strasse fahren, hat das seinen grund. ihr braucht also nicht zu hupen. – dazu haben wir öfter mal betonplattenstrassen, die haben auch hübsche fugen… und heute waren sie komplett durch- und aufgebrochen, ein einziger plattenslalom, sah aus wie nach einem kleinen erdbeben. aber trotz allem jammern wir auf hohem niveau. mal sehen, was die niederlande bringen, das radfahrerland.