ein richtiger urlaubstag ohne programm! mal wieder waschmaschine und trockner in gang gesetzt. spaziergang zum stenbjerger seezeichen und am strand bei strammem westwind und noch höheren wellen als gestern. an baden ist nicht zu denken. die seezeichen aus holz waren früher an der ganzen küste entlang aufgestellt. die schiffe konnten sich daran orientieren, auf welcher höhe sie sind und mit welchen untiefen sie zu rechnen hatten. es waren 34, heute gibt es noch elf, das stenbjerger ist eins davon. am strand findet man heute wundersame getiere und pflanzen.
nachricht für katharina: das lakritzeis liegt schon im gefirerschrank und wird nachher vertilgt (andreas nimmt lieber schokolade…)
stenbjerger seezeichenwas das wohl ist? es lebt….kleine schönheitenlakrids-is für katharina
heute begehen wir, wie es sich gehört, den französischen nationalfeiertag (eva ist da geboren….). zuerst, nach ausschlafen und ausgiebigem frühstück, besuchen wir den neptun in sdr. vorupör. das ist eine galionsfigur eines gestrandeten schiffes, die der maler jens söndergaard für seinen garten am sommerhaus gegen ein aquarell eingetauscht hat. das war 1950. er steht immer noch da, wie eva ihn als kind kannte.
in vorupör schauen wir uns die neuen anlagen am ladingsplads an: sehr modern und sehr gelungen, mit einem meerwasserbecken, eva: für die memmen, die sich nicht in die wellen trauen (heute 2-3 metsr hoch), andreas: nein, da kann auch jemnd im rollstuhl ans meer und sogar über die rampe baden. -und schon rollt eine frau im krankenfahrstuhl heran… wir spazieren lange am meer, gehen shoppen, essen eis…
am abend in der stenbjerger kro das natioalparkmenue: wir schlemmen vorhüglich lauter einheimische, selbst zubereitete bio-leckereien. nur der prosecco und der wein sind aus italien. also hier im einzelnen, damit euch ein wenig das wasser im mund zusammenläuft: muscheln mit spargel und leichter säuerlicher hollandaise. gefüllte hühnerbrust mit bärlauchpeyto-bruscetta und bärlauchkapern. sorbet von weisswein und thymian, kalbsfilet mit erbsenpüree, waldpilz-kräuter-gemüse, kartoffeln und einer superleckeren sosse. erbeermousse mit nuss, erxbeerzucker und intensiver erdbeerfruchtsosse. käseteller mit vollkornknäcke und einem walnuss-preiselbeer-chutney….
danach reicht es gerade noch, mit den rädern zum landingsplads zu sausen, pünktlich zum sonnenuntergang! wir geniessen das „abkippen der erde“. die wellen tosen. ein wunderschöner geburtstag. DANKE!
neptunwenn man geburtstag hat, kriegt man ein dänemark ein fähnchen… ich auch!
urlaub: laaange ausschlafen. brunch. im zelt liegen und lesen bis der niesel vorbei und die sonne da ist. dann machen wir uns auf: zur stenbjerg kirche, die vor etwa 15 jahren wunderbar renoviert wurde und weiter durchs dorf. am stenbjerg landingsplads gibt es ein storytelling: von menschen und fischen. die ehrenamtliche nationalparkführerin erzählt von der entstehung stenbjergs und der fischerhütten, zeigt die alten fischfanggeräte, erzählt wie seile hergestellt und gefischt wurde, wie die frauen tausende von muscheln als köder aufgespiesst haben, wie die boote per seilwinde an land gezogen wurden. in der alten fischhalle die namenstafeln, auf denen der fang notiert wurde. wir erfahren vom „signalmann“, der auf den grossen masten draussen bei aufziehendem sturm ballons aufgezogen hat und damit die fischer warnte. es ist zwar alles auf dänisch und wir verstehen das wenigste, aber trotzdem sehr interessant. am ende bekommen wir nach alter weise geräucherten fisch zum probieren.
hier am landingsplads ist auch das kleine nationalparkshaus mit infotafeln und leckerem bioeis: wir probieren sandorn, preiselbeer, hagebutte und honigeis. dann machen wir einen langen spaziergang am tosenden meer. die wellen sind heute ziemlich hoch. wunderbar. aber nichts zum baden…
am abend unternehmen wir eine vorverkostung für morgen (😉) in der stenbjerg kro, die stark auf lokale küche setzt, mit kräutern, gemüsen, fleisch, alles aus dem nationalpark, inklusive blümchen. für andreas galloway-rind in thybiersosse, für eva natürlich fisch. morgen mehr.
stenbjerg kirke, altarbild: fischzug des petrusstorytellung im alten fischerhäuschennochmsl stenbjerg landingspladsvom meer kann eva nicht genug kriegen, da müsst ihr durch
am morgen kommen wir in den genuss von einer stunde richtigem regen, nicht nur niesel. dazu welche von den „hochwertigen“ radwegen im wald (siehe bild unten). wir fahren am nors sö und vandet sö entlang – schon sind wir in klitmöller. klitmöller ist „cold hawaii“, als surferparadies weltweit bekannt und entsprechend voll, überall autos und busse mit dicken packen von surfbrettern auf dem dach. nach dem räucherfisch eilen wir schnell weiter.
15 kilometer weiter nörre vorupör, ein alter fischerort. früher wurden hier die grossen fischerboote mit seilwinden auf den sand gezogen. eva hat als kind noch erlebt, wie der fisch auf pferdewagen, später traktoren verladen und oben in der fischhalle verkauft wurde. heute gibt es nur noch in hanstholm professionelle fischerei. in vorupör sind hobbyfischer zugange. aber fischhandel gibt es noch. der landingsplads hat sich in den letzten vier jahren stark verändert, wurde modernisiert und vergrössert. es wimmelt von menschen. hier ist echt was los.
fünf kilometer weiter sind wir in stenbjerg. das ist unser geheimtipp: klein, ruhig, nicht überlaufen, der landingsplads etwas abseits, idyllisch, und der strand riesig und fast leer. ganz nach unserem geschmack. eva war hier als kindergartenkind zum ersten mal und es ist immer etwas besonderes, wieder hier zu sein. die alten ferienhäuschen von damals stehen noch (natürlich modernisiert).
wir sind jetzt mitten im nationalpark thy, der sich von hanstholm bis agger an der küste entlang streckt. hier findet man noch die weite moor-, heide- und dünenlandschaft ohne ferienhausverbauung. grüntöne mit lila soweit das auge reicht. in den anpflanzungen niedrige, vom wind gekrümmte bäume, darunter moose und sand. der ganz spezielle „dänemarkduft“ nach heide, sand, pilzen, süss und herb zugleich, steigt in die nase.
im krohavns camping, der zur stenbjerg kro gehört – ja, die gibt es auch noch – schlagen wir unser zelt auf: noch ein paar tage urlaub.
am morgen nehmen wir erst mal die strasse über vester thorup, meiden die waldwege. die vögel geben ein grosses konzert. dann holt uns die entschleunigung ein: am wegrand wachsen pfifferlinge! wir werden zu sammlern und aufmerksamen wegrandbetrachtern. vier nester mit pfifferlingen finden wir, eine grosse schale voll. am abend gibt’s also pfifferlinge, mit ein paar champignons aufgewertet, und mit zwiebeln in butter gedünstet, dazu egte dansk nye kartofler. es gibt auch sehr viele waldhimbeeren, die jetzt reif sind. gestern morgen hatten sir eine tasse voll zum frühstück ins müsli. lecker!
bulbjerg ist eine 47 meter hohe düne mit grossartigem blick auf die jammerbucht, und ausserdem eine riesige bunkeranlage der deutschen aus dem 2. weltkrieg, von der man teile besichtigen kann: gruslig. es gibt an der ganzen westküste entlang noch viele alte bunker am strand.
typisches radler-ehepaar-gespräch: er: wir sollten mal einen picknickplatz ins auge fassen. sie: hast du schon hunger? er: es ist halb eins! — es dauert noch eine 3/4 stunde, bis der picknickplatz mit seerosenteich kommt. da haben wir beide richtig hunger.
hanstholm durchfahren wir nur am rand. danach geht’s in die tved klitplantage, am rand des hanstholm vildreservats. gleich am anfang ein schöner shelterplatz, mit feuerstelle, plumpsklo, pferdeeinstellplatz für pferdewanderer und eigenem aussichtspunkt auf das reservat. wir beobachten am abend ein reh mit seinem kitz. ein käuzchen schreit. es regnet mal wieder.
kanterelles – pfifferlinge
kuhbegegnungbulbjerg bunkerblick auf die jammerbuchtshelter-leben
der himmel grau verhangen, mal mehr und mal weniger feucht, aber richtigen regen haben wir nur mal ganz kurz, sonne auch nur eine ahnung. der wind ist dafür heute völlig zahm. das meer liegt unschuldig still. es scheint sich zu verstecken: himmel und meer gehen so ineinander über, dass sie verschmelzen, zu einem gemeinsamen grau. wir radeln durch klitplantagen, die kleinen sandigen wälder, in denen man leute mit körben beim pilzesammeln begegnet. von loekken nach blokhus geht der radweg direkt auf dem strand, der hier auch für autos befahrbar ist: ein besonderes vergnügen für alle „jungs“…. wir meiden diese strecke – sorry, mary – und weichen auf die strasse aus, wir haben einschlägige erfahrungen mit den schweren rädern auf dem harten, aber trotzdem schwergängigen sand. zwei kilometer vor blokhus staut sich der verkehr massiv, alle wollen zum strand, und wir machen schnell einen grossen bogen…
auf dem grossen grill- und spielplatz vor blokhus finden wir einen überdachten tisch zum vespern. da ist ein grosses schickes schild zu den fahrradrouten, natürlich zuerst zur nordseeroute. da steht was über die „hochwertigen radwege“: hä? haben wir da was verpasst? wir quälen uns den halben tag schon mit tiefschotter, sand, welligen oberflächen, die uns zum langsamstfahren zwingen. wehe, man ist nicht ganz und gar auf den weg konzentriert und guckt mal einen moment auf, schon ist man aus der spur und muss es büssen… andreas kriegt einen ärgeranfall und schimpt lauthals… wir weichen zwischendurch wieder ein kleines stück auf die strasse aus.
der fast schon pittoreske shelterplatz in der kallerup klitplantage ist leider schon belegt, so radeln wir weiter zum klimstrand-camping, da hat man cola, bier, chips, heisse dusche… die tut uns nach 85 kühlen kilometern auch richtig gut.
ach ja, wir hatten es ganz vergessen: gestern haben wir die 4000 kilometer-marke geknackt!!!
gestern: wind wellen sandwehenheute: stilles meer am slettestrand„komfortable“ wege…
heute weht kräftiger wind aus südwest – und wir radeln nach südwest. also radeln wir 75 km gegen den wind, das geht inzwischen ganz gut. aber die waden und oberschenkel werden doch ganz schön strapaziert… das meer schäumt ganz ordentlich, über den strand fegt der wind und macht eine sandstrahlmaschine daraus.
hinter skiveren in der tverup klitplantage ist die österklit mölle, die letzte alte stockmühle dänemarks und daneben der schönste overnatning mit sheltern, den wir in dänemark kennen. für uns gibts hier heute nur mittagsrast.
wir freuen uns über jedes waldstück, denn da ist der wind deutlich spürbar ausgebremst. die unbefestigten wege sind ganz gut befahrbar. wir müssen nur gut aufpassen, es gibt einige „untiefen“ im schotter, wenn wir da etwas zu schnell sind, kommen wir ordentlich ins schlingern… wir geniessen die blicke über heide und dünen aufs grüne meer.
beim shelter-platz vor lönstrup treffen wir heinrich und sabine aus nordeutschland und haben gute gespräche über fahrräder, ausrüstung, touren – was sonst?
nachdem es gestern abend und heute nacht ordentlich geregnet hat, scheint heute wieder unschuldig die sonne. unsere tätigkeiten neben ausschlafen, fahrräder kümmern und einkaufen seht ihr hier auf den bildern:
radüberschuhe flickenstrandspaziergang in gamle skagen/ hoejensteine sammeln und fotografieren, weil mitnehmen können wir sie nichtohne kommentar
p.s. aufruf von eva: wer kommt und geht mit mir schwimmen, ich hab da einen, der nimmt nur thermalbadwasser! ?
skagen hat den grössten fischereihafen dänemarks. netze liegen am hafen ausgebreitet, die kleineren fischtrawler liegen hier. früher wurden die boote mit seilwinden auf den strand gezogen, 1907 wurde der erste teil des hafens eröffnet. heute hat er eine länge von über 6 km. viele teile bekommt man als touri nicht zu gesicht. die schiffe liegen schlange vor dem hafen. es gibt auch eine werft.
das besondere an der dänischen nordseeküste: hier gibt es so viel unendlichen dünen-sandstrand wie in keinem anderen land. die dünchen in st. peter ording sind dagegen pipifax. die sandstrände in norwegen kleine buchten. das meer kein ruhiger durch inseln gezähmter fjord, keine sanfte ostsee, sondern die wellen schlagen unaufhörlich gegen den strand. vor den strömungen und besonders unterströmungen muss man sich in acht nehmen, es gibt plötzlich tiefe gräben, die nordsee ist hier kein kinderschwimmbecken. und dann: hier wird der blick durch nichts mehr begrenzt. keine schäre, kein berg, sondern einfach die weite des meeres bis hinter den horizont. wir blicken über felder, strand, wasser bis in – ja bis in die „endlosigkeit“ (400 km weiter ist ja schon die schwedische küste…). dieser entgrenzte blick, das macht die besondere atmosphäre und kraft der nordsee in dänemark aus.
ach ja, wir haben heute ansonsten gebummelt, muscheln auf dänische art gefuttert: mit pommes dazu (keine angst, andreas hat steak gekriegt), gefaulenzt, und andreas hat den friseur beschäftigt.
heute ist die kunst dran: wir besuchen das skagen museum, das der künstlerkolonie gewidmet ist, die skagen in der 2. hälfte des 19. jahrhunderts sozusagen entdeckt hat. die „skagenmalerne“ wandten sich von der nationalromantik ab und suchten nach einer neuen realistischen, das „wirkliche leben“ abbildenden kunstform. in skagen fanden sie karge heide, verkrüppelte wälder, wildes meer, hart arbeitende fischer und das besondere skagen lys, das sich ständig wandelnde licht. sie malten die fischer und kleinbauern bei der arbeit, in alltagsszenen, dünen und strand, licht und schatten. michael und anna ancher mit ihrer tochter helga ancher, holger drachman, dichter und maler, oscar björck, sowie peder severin kroeyer sind die berühmtesten namen. um die jahrhundertwende nahm der internationale einfluss der kolonie wieder ab. doch den malern folgte die kopenhagener gesellschaft, sogar die königliche familie, und skagen wurde zum bade- und urlaubsort. das haus der familie ancher können wir im originalzustand besichtigen, eine reise ins alte skagen…
oscar björck, 1884, das boot wird ins wasser gelassen
am abend radeln wir auf die westseite skagens, die nordseeseite. hier schlagen die wellen kräftig auf den strand, mit getöse. wir spazieren ein stück, picknicken an einer bank, mit sauvignon blanc! und dann kommt das, was andreas „die erde kippt ab“ nennt: wir platzieren uns auf den dünen, samt schlafsack, und schauen uns an, wie die sonne langsam ins meer sinkt – ähh, die erde langsam abkippt…. schiffe gleiten über den horizont, weichgezeichnet vom abendlicht, die wellen färben sich rosa bis orange. eva schwelgt: immer wieder wunderschöön. andreas schaut auf die uhr: wann ist es zuende? mit rückenwind fahren wir „heim“ zum campingplatz.