skagerrak und kattegat

05.07.16 skagen

heute ist der spaziergang nach grenen dran, an die nördliche landspitze dänemarks, wo skagerrak und kattegat zusammenfliessen. jeder, der hierherkommt, muss dahin. man kann die verschiedenen farben von ostsee (kattegat) rechts und nordsee (skagerrak) links sehen. in der mitte wellen, die zusammentreffen. es stimmt abet nicht, dass es die wellen von ost- und nordsee sind. sondern die wellen der nordsee treffen auf den riegel der ostsee und werfen sich zurück, stossen also auf sich selbst, äh, oder so…  wir besuchen das odde naturcenter, in dem ein film und interessante tafeln die skagen odde und ihre entstehung erklären. diese landspitze ist erst in den letzten 300 jahren entstanden, und sie wächst jedes jahr weiter. die spitze verändert sich auch von jahr zu jahr, manchmal nach einem einzigen sturm so stark, dass sie ganz anders aussieht. in diesem jahr gibt es gar keine richtige „spitze“, nur eine rundung. das naturcenter beherbergt auch eine ausstellung von „frauenkunst“, anlässlich 100 jahre frauen in der künstlerkolonie.

im nachmittagsregen genehmigen wir uns am hafen in einem der restaurants scholle und krabben, tee und heisse schokolade. davon dass skagen die meisten sonnenstunden dänemarks hat, kriegen wir heute zumindest nichts mit…

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boxenstopp: wir machen urlaub!

04.07.16 jerup strand – skagen – 32 km

heute morgen war es ein klacks, schnell noch die 30 kilometer nach skagen rauf zu radeln. natürlich sind wir an „den tilsandede kirke“ nicht vorbeigefahren. die kirche aus dem 13. jahrhundert musste ende des 18. jahrhunderts aufgegeben werden, als sie vom flugsand der wanderdünen zugeweht wurde. 20 jahre lang hatten die skagener noch den eingang immer freigeschaufelt. das schiff wurde abgebrochen, aber der turm blieb als seezeichen stehen und ist heute ein touristenmagnet.

wir haben uns auf dem gut ausgestatteten poul eeg camping eingerichtet und werden hier einige tage bleiben. wir haben 2/3 der strecke und die hälfte der zeit hinter uns – also machen wir jetzt urlaub! leider knacken wir jetzt die 4000 km nicht ganz, es fehlen nochmal 32 km, aber ihr werdet lesen: hier gibt es viel interessantes zu sehen und zu tun.

als erstes war die waschmaschine dran, 1. teil (wir konnten uns nicht mehr riechen…). dann ein bummel durch die fussgängerzone: in skagen geht was, auch am montag nachmittag! seit letztem jahr hat die stadt den hafen um einen pier für die grossen kreuzfahrtschiffe erweitert, skagen boomt! so viele schicke läden und designshops. zum glück können wir nichts kaufen…

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den tilsandede kirke
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nochmal jerup strand
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hallo tine, das ist für dich, in erinnerung…

wegkirchen – wolken – waden

03.07.16 lille vildmose – hals – fredrikshavn – jerup – 98 km

flaches dänemark, lange gerade asphaltbänder, etwas rückenwind, und schon flutschen die kilometer dahin! am beeindruckendsten heute das wolkenspiel mit verschiedenen schichten: weisse, graue, schwarze. dick sich ballende, flach sich ausbreitende. im meer gehen wolken und wasser ineinander über. mal sehen wir rechts über dem meer und zugleich links über dem land regenschwaden niedergehen, wir radeln trocken in der mitte. natürlich erwischt es uns auch ein wenig. aber nicht viel, zweimal retten wir uns rechtzeitig ins lokal… überall finden sich kleine loppemarked, garagenflohmarkt.

von egense bringt uns die fähre über den limfjord nach hals. wir werden den limfjord, der dänemark sozusagen teilt, an der westküste in thyborön wieder überqueren.

in melholt besuchen wir eine der „vejkirker“, die offen sind und sehr hübsch. es gibt einen prospekt mit kurzbeschreibungen aller weg- und offenen kirchen in jütland. die schmucke neoromanische melholt kirke hat eine besondere altartafel: nicht der gekreuzigte oder auferstandene ist zu sehen, überhaupt kein kreuz, sondern jesus und nikodemus im gespräch. der glaube als beziehungsgeschehen.

wir danken gott heute einfach mal dafür, dass wir soweit und so lange ohne ernste zwischenfälle gekommen sind. ist das nicht wunderbar?

typisches gespräch auf langen strecken. der vordere hört von hinten was, ruft nach hinten: „was isch?“, die antwort tönt nach vorne: „alles gut!“ – und weiter geht’s.

heute wieder ein idyllischer shelterplatz am jerupstrand. haben ein nettes gespräch mit einer ostdeutschen familie, die hier den nachmittag verbracht hat. wir sitzen zum abendessen und bloggen an der tischbank in den dünen mit abendsonne, hören und schauen den lerchen, möwen und gänsen zu. die waden und oberschenkel sind irgendwie etwas angestrengt…

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melholt kirke: jesus und nikodemus
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windkraft auf dänischem hof
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shelter jerup strand
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gruss an „hoffmänner“

overnatning i det fri

02.07.16 fjellerup – udbyhoj – hadsund – lille vildmose – 85 km

in der nacht hat der regen so kräftig aufs zelt getrommelt, dass das mit dem tiefen ruhigen schlaf nicht ganz so geklappt hat. dafür radeln wir trocken und flott los, schnell mal nach udbyhoj und mit der fähre über den randersfjord.

dann ereilt uns ein regenschauer – natürlich genau an der einen der zwei nennenswerten steigungen heute – und zwar so rasch, dass wir schon nass sind, bevor wir die regensachen aus der tasche haben. nach ein paar minuten ist der spuk vorbei und wir trocknen in der sonne. beim zweiten mal sind wir schlauer und ziehen die regensachen frühzeitig an – und siehe, die regenwolke zieht schnell vorbei…

in hadsund überqueren wir den mariagerfjord. die strecke hinter hadsund ist gerade und hat kaum steigungen, eine alte bahnstrecke, voll durchasphaltiert. wir rasen dahin – und werden schliesslich von einem schotterstück wieder auf den boden der realität zurückgeholt.

lille vildmose vor dokkedal ist ein naturschutzgebiet, das grösste hoochmoorgebiet in nordeuropa, der torf ist bis zu 5m dick. es gibt seltene vogelarten, rothirsche, wildschweine und es brütet hier ein steinadlerpaar (eins von dreien in dänemark). ausserdem gibt es in der nähe vom besucherzentrum einen shelterplatz, auf dem wir heute nächtigen. shelter sind kleine niedrige hütten auf stelzen, in denen man schlafen kann, hier sogar mit schiebetüren. es gibt wasser, eine feuerstelle mit holzshelter (!) und ein traditionelles plumpsklo. solche kostenlose „overnatning i det fri“ gibt es in ganz dänemark, mit oder ohne shelter, manchmal auf bauernhöfen. wir kennen und schätzen sie von früheren urlauben.

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shelter lille vildmose
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shelter innen
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fähre randersfjord udbyhoj
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typische dänische dorfkirche

 

dänemark, du hast uns wieder!

01.07.16 varberg – grenaa – fjellerup – 37 km

früh aufstehen, das apartment geputzt hinterlassen, um 7:30 uhr an der fähre sein: das belohnen wir mit einem schiffsfrühstücksbuffet. 4 1/2 stunden fähre, draussen ist es grau, kalt, regnerisch, die zeit vergeht nicht.

aber dann: dänemark, du hast uns wieder! windräder statt atomkraftwerk ringhals in schweden. riesige getreidefelder, zum ersten mal maisfelder (haben wir bisher keine gesehen). der nieselregen hört sehr bald auf. landluftstinkende bauernhöfe. die typischen  kleinen strassenverkaufskästen mit kartoffeln, marmelade, gemüse. dänisches wasserschloss: sostrup in gjerrild. in bönnerup trinken wir einen kaffee und haben glück: gerade da geht der regenguss ab. wir entscheiden, nicht noch 44 km bis udbyhoj zu radeln und bleiben im fjellerup strand camping. sehr schön, geräumige duschen, frühstücksbrötchenservice.

eva rechnet nach: als kind 3-4 x jütland, mit katharina 2x, jetzt zum 4. mal mit dem fahrrad. sie ist zum 10. mal in dänemark! andreas findet, er kommt nicht vor. der arme, war nur 6 mal…

zur feier der ankunft gibt es einen strandspaziergang mit wasserkontakt bis zu den knien und schollenfilets in butter gebraten, und für andreas dazu viel kartoffelsalat, mit mayo.

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halbzeit!

30.06.16 asa – varberg – 45 km

upps, schon sind drei monate um – wo sind sie geblieben? sie sind rasend schnell vergangen. zugleich haben wir soo viel geschehen und erlebt, dass es uns endlos lang erscheint – unsere abfahrt in bietigheim? das war in einer anderen zeit… und wir haben jetzt nochmal so lang! wir freuen uns drauf und haben ehrlich gesagt kein bisschen heimweh.

ansonsten war der halbzeittag heute bescheiden. das wetter: regen mit gegen- oder seitenwind. die radstrecke eine weile am meer lang, eine weile an der eisenbahn lang, eine weile durch riesige getreidefelder, besonders die gerste wogt so schön van-gogh-mässig. auch der vvfv (verein zur verhinderung des fahrradverkehrs) war heute wieder am werk: diesmal versuchte er uns mit neuen und zahlreich aufgestellten radwegschildern auf um- und abwege zu führen. und das bei heftig herangewehtem nieselpiss. wir waren in jeder hinsicht „angepisst“. sind bald auf die „alte“ hauptroute zurückgekehrt, dank app-hilfe. kurz vor varberg das vogelschutzgebiet getterön, in einem gebiet, das ganzjährig eisfrei bleibt und deshalb bei den vögeln sehr beliebt ist. im besucherzentrum naturum futtern wir öko-lasagne und gucken durchs fernrohr. ausser möwen, enten, austernfischern und graugänsen natürlich sehen wir in dieser gegend auch einige uferschnepfen mit den charakteristischen langen geraden schnäbeln und säbelschnäbler mit nach oben gebogenen schnäbeln.

dann einradeln in varberg. zuerst schauen wir bei stena line vorbei und kaufen fähretickets. dann an der uferpromenade zum apelviken camping. es regnet schon wieder und wir mieten zur feier des tages ein appartment, eigentlich ist es eine hütte mit allem drum und dran.

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viele villen, viele kilometer, viel regen

29.06.16 göteborg – fiskebäck – askim – kungsbacka – asa – 80 km

wir wursteln uns durch göteborg durch bis wir auf der route sind. dann geht es durch alle möglichen vororte, wohnviertel und hafenorte, die zum einzugsgebiet von göteborg gehören. wir nehmen die weitere route an der küste entlang. ab amundö durchquert der weg lauter schicke anwesen mit traditionellen villen oder modernen edelhäusern und entsprechenden gärten, terrassen, parks und natürlich golfplätzen dazu. wir können uns mal wieder nicht entscheiden, welches wir nehmen würden.

wir reden darüber, wie modern, gepflegt und teuer schweden und norwegen sind. und wie viel geld die schweden und norweger haben müssen. gestern abend in göteborg, da lässt man beim abendessen locker 100 euro liegen und hat ein glas wein getrunken. die stadt ist voller lokale und alle waren voll, am dienstag abend. im vergleich erscheint england mit seinen alten häuschen, magerem wasserdruck, prekären vierteln, kaum innovativer architektur viel ärmer. auch die campingplätze sind nicht so gut ausgestattet, die lokale einfacher.  wir verstehen nicht, dass sie aus der eu rauswollen…

am nachmittag fängt es mit trägem nieselregen an. langsam regnet es sich ein. wir machen in kungsbacka am grossflächigen marktplatz kaffeepause. dann besuchen wir fjäras bräcka, ein naturreservat mit einem naturpfad und quellen und mit „li gravfält“, einem gräberfeld aus der eisenzeit mit lauter aufgerichteten steinen.

schliesslich erreichen wir asa camping. aufbauen. einkaufen. duschen. in der netten küche mit tischen kochen. futtern. sitzen. den tag ausklingen lassen.

göteborg

28.06.16 göteborg

nachdem bruce springsteen sein konzert um die ecke beendet hat (wir durften mithören!), die mädels im zelt links von uns die halbe nacht hindurch mit den jungs im zelt rechts von uns geschäkert haben und nicht aufhören konnten zu kichern, stehen wir frohgemut auf und fahren mit der tram in die stadt.

eine bootstour durch kanäle und hafen steht an. der hafen von göteborg ist der grösste in ganz skandinavien. von hier sind in der 2. hälfte des 19. jahrhunderts 1,3 millionen schweden (von damals 3,5 mio einwohner) nach amerika ausgewandert. bis heute werden eisen, stahl und volvos exportiert. und tourismus spielt eine immer grössere rolle.

wir schlendern durch die markthalle, schauen die domkirche an. um die ecke ein in-laden mit öko-super-gesund-salatbar und smoothies jeder zusammensetzung: schmeckt auch seehr lecker und gesund und ist für leute, die auf diät sind…

wir fahren mit der tram spazieren, am botanischen garten rum, durch das viertel majorna. die bustour nehmen wir auch mit. spazieren durch die viertelatmosphäre von haga und kompensieren das mittagessen mit kaffee und kuchen. göteborg hat ein perfekt ausgebautes und beschildertes fahrradnetz. wow!

am abend nochmal essen an der markthalle. fleisch und pizza und algohool… wie gut, dass wir nicht heimradeln müssen. wir finden, göteborg hat charme und ist schön.

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stilles tal und grossstadt-ride

27.06.16 stenungsund – jorlanda – kungälv – göteborg – 60 km

heute haben wir kontrastprogramm: ab jorlanda windet sich eine kleine singleroad ein langes stilles tal hinauf, durch felder und mischwald, versteckte seerosen-seen und vereinzelte gehöfte und sommerhäuser. am wegrand leuchten uns walderdbeeren entgegen, rot und süss (eva kann die armen erdbeerchen doch nicht einfach alle hängen lassen). dann geht es weiter am göta-älv, sein wasser fliesst breit durch die wiesen. der kontrast: die letzten 15 km bis göteborg immer an der E6 und E45 entlang. zwar auf der alten landstrasse oder auf radwegen, aber der verkehr braust, einkaufszentren, industriegebiete, autohöfe… wann hatten wir sowas zuletzt? gleich am anfang kommt natürlich ikea, wir überlegen, ob es drinnen anders ist als in deutschland? aber wir schauen lieber nicht nach. eines muss man sagen: die radwege sind breit, in der regel zweispurig ausgebaut, die beschilderung ist exzellent, auch die umleitung wegen einer grossbaustelle ist durchgehend gut sichtbar beschildert. wir finden ohne probleme zum lisebergby camping, der sehr voll ist, aber auch für uns noch ein plätzchen frei hat. von hier werden wir morgen schnell mit der strassenbahn in der stadt sein.

heute mal ein kleiner exkurs zum thema geld: hier in schweden ist bargeld total unpopulär. man wird bei einer kugel eis gefragt, ob „card or cash“. man steckt in der toilette die ec-karte rein, ebenso beim parkautomat oder ticketautomat bei der fähre. oder man zahlt übers handy. es gibt da gar keinen bargeldeinwurf mehr. im supermarkt kann man am eingang einen handscanner nehmen und (wenn man registriert ist) scannt jede ware beim reinlegen in den einkaufswagen ein. wir wissen nicht, ob man dann noch an der kasse mit der kundenkarte zahlt oder ob es direkt vom konto abgebucht wird. das gibt es auch in norwegen. michael sagte, es ist total praktisch. auf dem campingplatz wurden wir gestern gefragt, ob wir die quittung aufs handy haben wollen (wir hatten bar bezahlt). in papier gibt es keine mehr. auch die kirchen haben anscheinend einen „kollektomat“. (wir haben noch keinen gesehen, viele kirchen sind zu, wenn wir ankommen.) „swish“ ist eine app der banken, mit der man geld direkt smartphone des anderen gutschreibt. fast die hälfte der schweden hat die app. hmmm. ausgeschlossen ist, wer kein konto hat. flüchtlinge zum beispiel. oder obdachlose. also wie so oft: die ärmeren randgruppen sind aussen vor.

schärenhopping

26.06.16 lysekil – skafto – orust- varekil -stenungsund – 72 km

in der nacht gab es gewitter, am frühen morgen regen, aber wir sind trocken losgekommen. als erstes mit der fähre auf die insel skafto, dann nochmal fähre auf flaton, dann wieder rüber auf orust. der wind weht uns den nieselpiss um die ohren… erst am nachmittag wird es trocken.

die schwedischen schären sind sehr idyllisch, niedlich, mit engen wasserwegen zwischen den felsinselchen, alles sehr viel lieblicher als in norwegen. viele jachten und segelboote sind unterwegs. die route geht nur sanft auf und ab. das kommt uns entgegen, wir radeln langsam, andreas‘ kreuz meckert. auf der kleinen insel mjörn ist das alte hofgut sundsby mit läden, cafe, park und ausstellung ausgebaut. wir gönnen uns kaffee und kuchen. dann wird es verkehrsreich mit staus, über die grosse tjörnbrücke (eigentlich sind es zwei brücken, eva zählt genau mit, da sie immer mit zittern und zagen über die hohen dinger fährt) nach stenungsund. wir erreichen den tollenäs camping. kaufen auch noch ein, fallen gierig über die rühreier mit schinken her. pause.