30. august: goethe & co.

oettern -weimar – oettern: 28km

ein tag weimar in vollen zügen. wir beginnen mit goethes gartenhaus, das er vom herzog geschenkt bekam, mit 26 jahren einzog – und sein leben lang in weimar blieb. auch das gartenhaus nutzte er bis ins hohe alter, auch wenn er da schon längst fürstlich in der stadt residierte, mit pompösem offiziellen gebäude und einfacherem wohnhaus dahinter, wo er mit christiane vulpius lebte.

aber den boden bereitet hat der weimarer klassik eine frau: anna amalie von sachsen-weimar-eisenach führte die regierung bis carl august 18 jahre alt war. sie holte christoph martin wieland als lehrer für ihre söhne nach weimar. sie gründete die anna-amalie-bibliothek, die wir wegen der laaangen schlange davor leider nicht besucht haben. 1775 wurde goethe dazugeholt. schiller und herder komplettierten das quartett. die revolution durch erziehung und bildung war ihr ziel. sie schufen viele werke, die bis heute unsere kultur prägen.

weimars grösse beginnt aber schon zu reformations-zeiten, als der fürst wittenberg aufgeben musste und in weimar seine neue residenz schuf, die uni gründete und auch lukas cranach nach weimar zog.

anfang der 18. jahrhunderts war johann sebastian bach hier kapellmeister und komponierte viele kantaten, die brandenburgischen konzerte, sein orgelwerk. als er nach köthen wechseln wollte, wurde er für 4 wochen in der bastille eingesperrt….

ein weiterer meilenstein deutscher geschichte ist die weimarer verfassung, die hier im theater von der nationalversammlung 1919 gestaltet und beschlossen wurde. hier wurde zum ersten mal die schwarz-rot-goldene fahne, symbol der freiheit und demokratie, gehisst.

das bauhaus prägte weimar leider nur für wenige jahre. die gebäude und inhaltlichen vorlöufer stammen von henry van de velde, der als belgier aber mit beginn  des 1. wk entlassen wure. gropius wurde neuer direktor. dem traditionell konservativen kräften in weimar aber war das bauhaus mit seinen seltsamen studenten und ideen suspekt. 1925 zog das bauhaus unter druck nach dessau.

aber auch die dunkle faschistische seite der geschichte ging an weimar nicht vorüber: der erste parteitag der nsdap fand hier statt. hitler liess das hotel elephant am marktplatz im stil der 30er-jahre-architektur umgestalten und grüsste hier bejubelt vom balkon. nicht weit von weimar liegt das grösste deutsche kz: buchenwald.

in der ddr-zeit waren tausene soldaten hier stationiert, noch bis seit in die 1990er-jahre hinein.  anfang der 2000er wurde das klassische weimar zum weltkutlturerbe und ist heute touristenmagnet für kuturinteressierte.

der zweite teil der führung und die rückfahrt schon im regen. wir kommen durchnässt wieder in öttern auf dem campingplatz an. abendessen kühl und lecker im campingrestaurant. es giesst. giesst. mal sehn ob das zelt nicht weggeschwemmt wird…

29. august: kultour und tortour…

an der saale: jena – dornburg – camburg – kaatschen        an der ilm: grossheringen – bad sulza – mattstedt – weimar – mellingen – öttern  – 80km

gestern abend haben wir entschieden: wir radeln nicht den rennsteig. er ist mit dem vielen gepäck zu steil. andreas‘ lädiertes bein juckt wie hölle, das knie meckert. wir wollen es nicht überstrapazieren und geben uns dafür mehr zeit an den flüssen und für die kulturellen highlights thüringens.

also starten wir diese flüssetour gleich mal mit einer 80km-tortour….

an der saale geht es flach und flott voran. wir nehmen schöne gedeckte holzbrücken, eine salbei-marmelade vom tischchen am wegrand zugunsten der golmer kirche, ein dorf hübscher als das andere. dornburg thront mit imposanten gebäuden auf dem fels, unten ein barockes radfahrerkirchle mit original holzdecke.  auch in camburg grüsst der burgturm von oben.  und es gibt einen rewe! zeit zum einkaufen fürs wochenende.

und schon sind wir in kaatschen: weinberge liegen am hang. das weingut zahn betreibt einen schönen weingarten  (biergarten kann man ja schlecht sagen). aber wir gehen nicht rein, es ist uns zu voll. wir nehmen eine flasche leckeren blanc de noir vom regent  mit für heute abend.

hier wechseln wir zum ilmradweg. das bedeutet ein ständiges, auf die dauer kräfteraubendes auf und ab. da ist bad sulz, das mit einem solethermalbad und einem goethegartenhaus aufwartet. die riesige saline wird gerade komplett erneuert. da ist die alte ölmühle in eberstedt, wo wir auf eine brause einkehren. kurz danach die kleine radfahrerkirche st. margarethen. jedes dorf wartet mit einer kleinen besonderheit auf: rittergut, schloss, wielandshof und witziges mini-fenster-cafe in ossmannstedt. überall an den toren schulanfangsglückwünsche und kleine feste.

das erste, was wir vom hochpoetischen weimar sehen,  ist: der arsch – die kläranlage… dann radeln wir an der ilm durch die parks der vorstadtteile, donnern an goethes gartenhaus vorbei, immer an der ilm, in einem langen bogen auf die südseite von weimar nach öttern, wo der kleine fröhliche campingplatz im grünen auf dem butterberg – ja es geht zum schluss nochmal rauf – uns aufnimmt. dr karle von dr ostalb mit seinem roller ist auch da. und ein riesenwohnwagen aus lombaburg… es gibt ein dreckbier, neben dem zelt eine wunderschöne überdachte sitzbank. perfekt für uns müde radler.

dusche. pfifferlingsragout mit couscous. flasche blanc de noir. lecker, nur die temperatur hat der sommelier nicht ganz getroffen: etwas zu warm…  mäuschen, sonnenuntergang, fledermäuse.

28. august: blick in die stadt und ins weltall

jena ist eine lebhafte stadt. historische teile wie die schlichte gotische st. martinskirche, der pulverturm mit stadtmauerstück alte stadtvillen sind durchwachsen mit moderner architektur, vor allem dem alles beherrschenden hochhaustrum der „neuen mitte“.

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wir verweilen in der martinskirche mit texten von simone weil. schlendern über den marktplatz und markttreiben. durch die kleinen gassen. spazieren über den historischen friedhof st. johannes, alle grabsteine versinken mitten in der scheinbar vergessenen parkwildnis… besuchen die ecke mit dem schiller-sommerhaus. viele uni-gebäude.

nachmittags ein besuch im alten zeiss-planetarium.  eines der grössten mit 23m druchmesser. eine show von stonehenge bis zu den neuen entdeckungen der raumfahrt.  wann waren wir mal im planetarium in stuttgart? vor gefühlt 100 jahren…

wir bummeln durch die berühmte wagnergasse, diiee kneipengasse jenas. vor einem stoffgeschäft mit cafe dabei laden altmodische tische zum verweilen: brownies mit eis…

 

27. august: schiller, schlösser und schöne radwege

saalefeld – rudolstadt – kahla – jena: 65km

hinter saalfeld weitet sich das saaletal zu einer breiten hügeligen landschaft. man radelt durch felder und überall liegen dörfer mit schieferkirchtürmen an den hängen. die radwege sind ordentlich ausgebaut, sehr gut beschildert bis hin zur perfekt ausgeschilderten umleitung durch jena. einige kleinere und eine fiese steigung braucht es noch, aber sonst radeln wir flach und flott.

nicht vorbeiradeln sollte man an rudolstadt. der abstecher in die altstadt lohnt sehr! da ist nicht nur die fussgängerzone und der rathausplatz, an dem wir gemütlich einen kaffee schlürfen. da ist auch das residenzschloss heidecksburg, das über der stadt thront. da ist das schillerhaus, wo er sich zum ersten mal mit goethe getroffen hat. und eine strasse hinter der fussgängerzone erst die „richtige“ altstadt mit pflastersteingassen, wunderbaren winkeln, einem schönen handwerkerhof.

der nächste lohndende halt ist das ehemalige schloss weissenburg zwischen kolditz und weissen. es ist heute ein hotel, lokal und biergarten, der liebevoll und sehr schön angelegt ist. wir trinken bloss was, aber das steak am nachbartisch sieht dermassen lecker aus… um das anwesen herum gibt es schöne talblicke. eine minikapelle ist auch dabei.

in welchem der dörfer es war? auf jeden fall biegen wir um die ecke – und da ist ein tisch mit zwei sitzgelegenheiten auf dem gehweg aufgebaut, mit frischem zitronenwasser, keksen, tomaten und einem schild „radlerrast“. das lassen wir uns nicht zweimal sagen und schreiben auch in das gästebuch, das dabeiliegt. es erinnert uns an die raststationen in kirchen und am weg in england und schottland..

jena durchradeln wir über parks und grünzüge bis zum beschaulichen campingplatz „unter dem jenzig“, einem spitzen bergkegel, auf den wir vom zelt aus blicken. die rezeption ist ein alter strassenbahnwagen. sanitärgenäude liebevoll aus holz gebaut.

morgen werden wir jena in ruhe erkunden.

26. august: von wundern der technik zu wundern der natur

leuthramühle – hohenwarte – eichicht/ kaulsdorf – saalfeld: 34km

heute soll’s nicht mehr so steil sein. ein kurzes stück am stausee lang, schon bewundern wir die staumauer hohenwarte, mit den anderen stauseen zusammen ein grosses wasserkraftwerk, von hitler begonnen, 1956 vollendet. auf imposante weise wird hier die zwiespältigkeit der wasserkraft sichtbar: vattenfall erzeugt hier ökostrom. aber zugleich wurden aus einem  natürlichen fluss künstliche seen gemacht. für die fische bedeuten die mauern das ende. wir hoffen, sie werden in der turbine nicht geschreddert. den waldhang ziert eine riesige schneise aus pumprohren des pumpspeicherwerks. wir können uns nicht vorstellen, dass so was heute in solchen dimensionen noch durchsetzbar wäre.

erst gehts nochmal lustig bergab, gleich hinter eichicht aber erwartet uns die erste von 4 happigen steigungen: gleich mal kurz 150m rauf, usw. dazu die sturmböen des tiefs „kirsten“, die den ganzen tag über uns wegziehen. auf dem weg liegen äste.

vor lauter quälen nicht zu vergessen: die landschaft ist wildromantisch, dunkler wald und felder ziehen sich über die berge, die wolken ziehen schnell darüber. hin. dazwischen liegen die kleinen verschlafenen dörfer mit einem dorfplatz, linde und bänkle drum herum. reschwitz wartet mit schönen fachwerkhäusern auf.

saalfeld bietet das naturwunder feengrotten: die ehemaligen alaunschiefer-bergwerke wurden 1860 aufgegeben. wegen des besonderen stark mineralhaltigen wassers haben sich sehr schnell tropfsteinhöhlen gebildet, die man heute besichtigen kann, samt feenweltchen und erlebnismuseum. wir radeln die ganzen 3 km hinauf, um festzustellen, dass hier der bär los ist. führungen sind ausgebucht. fluchtartig verlassen wir das wenig coronakompatible gelände. also keine feengrotten für uns heute.

unten in  der altstadt genehmigen wir uns kaffee und sahnemächtige windbeutel. besichtigen die wunderschöne gotische andreaskirche, die im chor eine himmelswiese beherbergt: deckenfresken mit 200 verschiedenen pflanzen.

der zeltplatz an der saale ist einfach und idyllisch. mit saaletreppe und nutrias, die vorbeischwimmen. gemütliches abendessen auf der überdachten sitzbank. spaziergang. saaletreppensitzen. ost-west-plausch mit dem platzbesitzer.

25. August: Hochprozentig

Saalburg – Burgk – Ziegenrück – Paska – Linkenmühle – Altenbeuthen – Reitzengeschwenda – Lothramühle: 43 km

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viele hochprozentige strecken liegen heute auf unserem weg. der anfang nach burgk ist da noch niedlich: ein bahnradweg führt uns kontinuierlich hinauf nach burgk. wir erklimmen den aussichtsturm und schauen uns auf der schönen schlossanlage um. eine schmale steile steige führt zum staudamm runter, wir überqueren die saale über eine wunderschöne gedeckte holzbrücke, es geht lauschig am fluss lang, wald , bäume, wasser, sonst nix.

aber dann, wehe, kommt ein schild: „radweg 16%“, wir biegen nach links ab – und vor uns liegt die steigung mit zwei kehren, gefühlt unendlich. wir schieben schweisstriefend hoch. eine ehepaar auf pedelecs muss im oberen abschnitt auch absteigen, nur die zwei 15jährigen jungs strampeln bis oben. dass diese radsteige frisch gemacht ist, macht es auch nicht wirklich besser…

über walsburg geht es runter nach ziegenrück – aber nicht meinen, das war’s, gleich am ende des städtchens, in dem wir endlich eine geöffnete bäckerei finden, geht’s 2km happig hoch nach Paska, von 300 auf 450m. dann endlich wieder runter – hurra, abfahrt! – zur linkenmühle, wor wir im biergarten erst mal ein spätes mittagessen geniessen. die kleine autofähre bringt uns auf die andere seite. früher war hier mal eine brücke, sieht man noch, sie wurde am ende des 2. wk gesprengt (von den deutschen selber!).

wie gerne hätten wir den bike-shuttle für die nächsten kilometer genutzt, aber der vekehrt nur am wochenende. also strampeln wir die 3,5km nach altenbeuthen hoch, von 300 auf 500m, die satteltaschen werden immer schwerer… nach drognitz halbwegs eben rüber, dann nochmal hoch, runter, hoch, es scheint nicht aufzuhören. um uns herum wald und felder, blicke über das saaletal, der fluss hur zu erahnen.

der krönende abschluss: die 4,5km lange abfahrt zur lothramühle. endlich die belohnung. wir brausen abwärts, kehre um kehre, kaum zeit einen blick auf das wasser unten zu erhaschen. noch eine kehre – halt! da ist schon die linkenmühle, wartet mit „dreckbier“ (getrunken vor dem waschen und umziehen) auf, einer campingmöglichkeit und später leckerem mutzbraten (irgendwas würziges leckees vom schwein), muflonbraten und natürlich klössen.

24. August: Start der Thüringentour mit dem Saaleradweg

Hof an der Saale – blankenstein – saalburg: 55km

gestern sind wir mit dem zug von böblingen nach hof gefahren. bis nürnberg ging’s, dann hatten wir einen zug mit neigetechnik (da wird’s uns schlecht), mit einer sehr steilen treppe rein und raus (ächz) und stickiger luft – und das mit „mauldäschle“… aber wir haben es geschafft. und hatten auch einengute nacht im bett & bike-hotel strauss, inklusive abendlicher anteilnahme am bayern-spiel.

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am morgen gemütlicher start durch hof an die saale, aber gleich hinter unterkotzau – wir radeln hier am jean-paul-weg – das erste hindernis: eine brücke mit treppe rauf und runter, die radrinne so gestaltet, dass man teleskoparme braucht zum hochschieben. eva schafft’s nicht allein. aber das ist heute die kleinste übung, denn der saaleradweg wird nicht umsonst als der anspruchsvollste flussradweg deutschlands bezeichnet. soo viele fiese höhenmeter am ersten tag, puhhhh, wir hatten richtige hänger und einige schiebestrecken. aber natürlich hatten wir auch grandiose abfahrten, nur: die sind immer so schnell vorbei.

eine der abfahrten gleich nach der ersten steigung: zur fattigsmühle, die idyllisch unten am bach liegt  – auf der andern seite geht’s gleich wieder hoch. und immer wieder schöne ausblicke ins saaletal weit unter uns.

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joditz – hirschberg – rudolphstein: von der variante über eisenbühl drehen wir schnell wieder um, die 12%- steigung zu heftig und lang. wir nehmen den weg über pottiga mit einer wunderbaren aussichtskanzel (ich hab mich auch draufgetraut, eva). dann nehmen wir eine steigungsärmere abkürzung nach blankenstein. sie führt uns auf einen betonplattengrenzweg mit sehr schmalen platten, die vollkommen verworfen sind. aber mit dem „finder“ mit den breiten weichen reifen ist das kein problem. wir passieren den „kuchendeckel“ und dann runter nach blankenstein. hier ist das drehkreuz des wander, der rennsteig beginnt. wir schieben blankenstein hoch und sind schon ganz schön platt.

es geht nach harra hinauf, und dann durch den wald hoch hoch hoch, super abfahrt runter, nur die blöden abflussrinnen bremsen uns ständig aus. dann wiederhoch hoch hoch. nach saalburg runter und ins städtchen wieder hoch hoch hoch. noch ein stückchen, und wir schaffen es noch vor rezeptionsschliessung um 17 uhr  nach kloster.

nicht wunden, sondern muskeln „lecken“… zelt aufbauen, nudeln mit tomatensosse, sonnenuntergang überm see…

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über tage

08.09.2018

gestern waren wir 800m unter tage, heute erklimmen wir 800m über tage: die wunderschöne rhön an einem sonnigen herbsttag! nein, keine angst, wir haben uns nicht gedopt und sind da kurz hochgeradelt, mit vollem gepäck…. wir machen das heute bequem – im auto.

nach einem feinen frühstück jetten wir per „stb“ (süd-thüringen-bahn) nach eisenach, holen uns den vorgestern bestellten europcar-wagen, es ist ein flotter skoda kombi mit breitem kofferraum und laden in bad salzungen die räder und packtaschen ein (na ja, die vorderräder muss man beim „finder“ schon abmontien).

wir fahren gemütlich los. vergessen nicht, uns in meiningen noch ein paar thüringer klösse einzuverleiben (in meiningen sind die nämlich erfunden worden). gondeln dann einmal über die hohe rhön und stellen uns vor , wie es wäre, hier radzufahren (am besten ohne gepäck?). könnte man mit dem thüringer rennsteig kombinieren…

dann gehn wir auf die autobahn richtung heimat. morgen mittag geben wir das auto in sindelfingen ab. übermorgen freuen wir uns auf den arbeitsalltag, sofern es einen geben wird. dann heisst es wieder: „im pfarrhaus brennt noch licht“…. tschüss!

 

unter tage

07.09.2018 heringen – philippstal – vacha – merkers – bad salzungen   35 km

im werratal zu radeln, bedeutet, vielseitig unterwegs zu sein. schönes flusstal, das sich durch höhen schlängelt, viel fachwerk, deutsche grenzgeschichte, kali-bau, solebäder. die wege sind vornehmlich gut ausgebaut, ruhig, abseits vom verkehr, mit vielen tafeln und picknickbänken.  wir haben heute zum ersten mal ein längeres stück an der strasse.

vacha: einmal über die brücke der einheit. ein grenzturm ist noch zu sehen. due grenz ging hier mitten durch ein haus, die leute konnten die osthälfe bis mitte der 70er-jahre nicht betreten. wir steigen auf den turm der alten burg und geniessen den rundblick.

in merkers radeln wir kurz entschlossen beim erlebnis-bergwerk der „k&s-gruppe“ vorbei. kaufen eine eintrittskarte, vespern noch kurz, und los geht’s: 3 1/2 stunden unter tage. mit blauer jacke und helm gerüstet steigen wir in den aufzug nach unten und dann in breite offene laster mit sitzbänken – und los geht die fahrt nach unten – bis in 800m tiefe! wir klammern uns fest und fühlen uns wie in der achterbahn, oder geisterbahn?, obwohl die fahrer beteuern, nie schneller als 35 km/h zu sein. an verschiedenen stationen besichtigen wir die geschichte des kali-bergbaus, gut geführt und erklärt. kali wird als dünger verwendet, aber auch in kosmetika, in der pharmazie oder in spülmaschinensalz. beim abbau fallen 70% „müll“ an – die berge draussen belegen es. über die problematik der versalzung hört man hier bei k&s natürlich nichts… am schönsten ist die kristallhöhle: in den 80er-jahren wurde eine höhle mit reinen salzkristallen entdeckt, die sich in wunderbaren vierecken bauen und im licht wunderbar strahlen. einfach nur einmalig, was die natur schafft. – interessant ist der „gold“stollen: die nazis hatten ende 1944 tonnenweise kunst aus berlin und dresden eingelagert. ausserdem die gesamten gold- und geldreserven der reichsbank. man kann den film der entdeckung durch die amerikaner anschauen. auf jeden fall: das sollte jeder gesehen haben, der da in der nähe vorbeikommt.

als wir um kurz vor 5 uhr am nachmittag wieder rauskommen, geniessen wir die paar kilometer stille auf dem holperpfad entlang der werra nach bad salzungen. das hotel solewerk empfängt uns mit heisser dusche – und wir bleiben heute gleich da – mit burger und cesar salad auf leckere weise.

burgberge und kaliberge

06.09.2018 probstei-zella – creuzburg – hörschel – gerstungen – heringen  59 km

der werraradweg ist gut ausgebaut. wir radeln weite strecken auf asphalt, fern grösserer strassen. obwohl immer wieder kleine anstiege dabei sind, können wir recht flott fahren. eine zeitlang hängen wir uns an eine gruppe flotter bayrischer radler dran.

in creuzburg erklimmen wir die alte burg. der innenhof wird für konzerte genuzt. ein hotel, museum und touristeninformation sind hier untergebracht. eine kleine töpferei. eine inschrift sagt: hier darf keine schnecke, kein wurm zertreten werden. die burg soll ein hort des friedenssein. alles leben sei heilig.

gleich danach die siebenbogige, 1223 erbaute werrabrücke. majestätisch. am ende die liboriuskapelle mit mittelalterlichen fresken aus dem leben der heiligen elisabeth.

das stiftsgut wilhelmsglücksbrunn ist heute ein biohof mit biohotel, cafe, hofladen und käserei. lauchröden wartet mit einer fachwerkparade auf. in hörschel beginnt der rennsteig über den thüringer wald – den könnten wir auch noch mal in angriff nehmen…

wir radeln langsam immer näher auf den alles beherrschenden kali-berg zu: „monte kali“.  untersuhl hat eine rundkirche – innen etwas bizarr…

die kaliberge sind riesige abraumhalden des kalibergbaus. die entstehende salzlauge wird verpresst. davon ist auch die werra betroffen: sie ist sozusagen komplett versalzen. das weltmarktführende unternehmen „k&s“ hat versprochen, dafür zu sorgen, dass die werra bis 2075 (!) süsswasserqualität haben soll. soviel zur werra-idylle…

in heringen machen wir für heute schluss. es sind am nschmittag wolken aufgezogen, es hat ein paarmal getröpfelt. jetzt fallen wieder ein paar tropfen p0nktlich zum zeltaufbau. es donnert sogar einmal. das wars. wir kochen: hühnchen-pilze-curry mit couscous. frische feigen. weintrauben.