salz und sole

24.09.16 gundelsheim – bad rappenau – 13 km

nach einem späten und guten frühstück beim  schokoladen-schell in gundelsheim radeln wir sage und schreibe 13 kilometer auf dem salz-und-sole-radweg das fünf-mühlen-tal hinauf nach bad rappenau, checken im adler ein und schwingen uns in die RappSoDie zum thermalbaden in magnesium-lithium-sole und zink-selen-sole. seeeehr gesund und wellnessig….  der abend ist dem französichen pastis und  wein gewidmet.

morgen mittag werden wir gegen 14 uhr in besigheim sein, im cafe anker (auf wunsch einer einzelnen hier nicht näher bezeichneten person). da kann man uns abholen für die letzten kilometer an der enz…. am pfarrhaus der friedenskirche im sand können wir dann nochmal klingeln….

wir freuen uns auch auf alle, die uns im buch vor der haustür begrüssen!

am neckar, am neckar…

23.09.16 heidelberg – gundelsheim – 77 km

… da isch a jedes gern… ja wirklich, ein altweibersommertag hier ist sehr lohnenswert. die äpfel hängen schwer an den ästen. die ersten herbstzeitlosen lugen aus dem gras. die burgen am vierburgeneck in neckargartach, in hirschhorn und neckarzimmern strahlen in der sonne. da radelt man sogar gern den berg hoch. ein wunderschöner tag. empfehlung an alle bietigheimer: wochenende am neckar lang, unbedingt! das einzige problem: zwischen heidelberg und hirschhorn hat man kaum gelegenheit, die schöne landschaft zu geniessen, denn jeden blick weg vom weg muss man büssen, mit schlaglöchern und ähnlichem… leckere bäckerei in pleutersbach. die baustelle hinter hassmersheim, wo sie uns weiträumig über den berg schicken wollen, nehmen wir mit leichtigkeit, trotz quergestelltem bagger: einmal schieben, langsam fahren, schon sind wir durch, es ist ja freitagnachmittag und wir haben schon ganz andere baustellen durchfahren… nettes gespräch mit einem hassmersheimer, der uns die leckere empfehlung für das weingut pavillon in gundelsheim gibt. dort beziehen wir auf dem campingplatz stellung: nochmal im zelt schlafen – wir werden es vermissen… gemütlicher bummel durch gundelsheim. zwiebelrostbraten.

für alle, die auf uns warten: wir kommen am sonntag in bietigheim an.  man und frau kann uns schon ab besigheim eskortieren. wir melden dann, wann wir dort sind und einen kaffee geniessen. etwa um die mittagszeit…

hier radel ich, ich kann nicht anders…

22.09.16 alsheim – worms – ludwigshafen – heidelberg – 68 km

… gott helfe mir, amen. wir haben in worms dem lutherdenkmal einen besuch abgestattet. hier hatte er seine „grosse stunde“ und sprach seine berühmten worte vor kaiser karl V., der sich nicht wirklich für ihn interessiert hat…. von hier aus ist er ins unfreiwillige exil auf die wartburg gebracht worden.

der kaiserdom ist nicht so prächtig, aber genauso geschichtsträchtig wie der aachener. besonders interessant aber ist der „heilige sand“, der alte jüdische friedhof, der älteste in europa mit über 2000 grabsteinen, die ältesten aus dem frühen 11. jahrhundert. in worms gab es die grösste jüdische gemeinde deutschlands – bis die nazis sie ausrotteten….

durch ludwigshafen radelt man über viele kilometer an der bayer ag vorbei. es gibt da nichts anderes. wir hoffen ehrlich gesagt, dass dieser moloch nicht noch grösser wird durch die einverleibung von monsanto – vielleicht hat das kartellamt ein „einsehen“?

kaum ist man über die riesige brücke nach mannheim gefahren, verzettelt man sich superleicht in den vielen verschiedenen abfahrtsschleifen unter über durch die brücke…. aber das „türkiche viertel“ mit den vielen leckeren läden ist einfach sehr lebendig. schwupps, sind wir am neckar, radeln die lange kastanienallee entlang, trotz beschussgefahr – wir haben ja helme auf. dann bietet ladenburg auf der anderen neckarseite einen schönen anblick. mit der fähre wechseln wir rüber. noch ein paar kilometer, da kommen wir an der jugendherberge vorbei. wir versuchen unser glück – und haben glück und ein zimmer. am abend sind wir in der schönen heidelberger altstadt. ach ja, heute hat uns zum ersten mal einer mit „grüss gott“ gegrüsst: heimatliche klänge.

exkurs: vom grüssen. die engländer und schotten grüssen immer und alle, fast ausnahmslos. sehr freundlich. man sagt nicht nur high, sondern „hai -jjaaa“. keine ahnung, was es bedeutet, aber wir haben es schnell gelernt. vielleicht eine superverkürzung von „high, how are you“? die norweger sind etwas zurückhaltender, aber nicht weniger freundlich. hier grüsst man „hai“, und antwortet „haihai“. süss. in schweden auch so. in dänemark einfach „hai“ oder „hei“- nur die deutschen touris wissen nicht, was sich gehört… auch die reiseradler grüssen sich gegenseitig. wenn es aber zu viele werden hört das bald auf. dann grüssen wir nur noch die mit vollem gepäck (auch vorne satteltaschen).  in süddänemark und ostfriesland dann „moin“, bzw. in manchen gegenden „moinmoin“. holland ist vielseitig. die einen grüsssen mit „hei“, die anderen mit „challo“ (l im hals wie im englischen), viele auch mit „guude morche“ und „guude middag“. in belgien mischt sich zum holländischen noch das französische „bonjour“… die deutschen sind übrigens ziemlich grüss-faul, finden wir, nachdem wir die englische weise schätzen gelernt haben. jetzt freuen wir uns auf das vermehrte hochtheologische „grüss gott“…

 

 

on the road again

21.09.16 bad kreuznach – bingen – mainz – alsheim – 89 km

abschied vom faulen lotterleben in der ferienwohnung. zum abschluss noch ein frühstück in der altstadt – und vielen dank, liebe hattemer’s, es war schön in eurer wohnung! wir kommen gerne mal wieder.

die nahe bringt uns nach bingen an den rhein. da setzen wir gleich mit der fähre nach rüdesheim über. aber die rummelige touristische altstadt lassen wir liegen. hatten wir schon mehrfach… auf dem leinpfad geht’s nach eltville und an wiesbaden vorbei. biebrich bietet das schloss und ein leckeres eis – und dann geht’s über die brücke nach mainz: hallo katharina, wir grüssen im durchfahren, hatten dich ja schon letzte woche besucht…. der linksrheinische radweg führt durch etliches an industrie, und dann ist eine umleitung über die dörfer der rheinterrassen ausgeschildert. auch sehr schön, durch die weinberge. wir „enden“ in alsheim (mit „s“, nicht „z“) im weingut berth (bett & bike), wo wir sehr nett aufgenommen werden, inklusive kühlschrank voller wein…  wir werden super verköstigt im gasthaus zur stadt columbus, auch im gästebuch werden wir verewigt – vielen dank!

was uns heute, nach 90 kilometern, alles weh tut? hintern, rücken, knöchel, arm, hand, waden….. also nichts besonderes.

 

bad kreuznacher auszeittage

08.-20.09. bad kreuznach

zwei wochen, angefüllt mit müssiggang, lecker kochen, räkeln in der sole-therme, wandern auf dem panoramaweg, auf dem eiermarkt in der altstadt sitzen, museumsbesuch, ritterfestspielen…

die bad kreuznacher altstadt hat charmante ausstrahlung. das salinental ist voll guter salzluft, nirgendwo gibt es so viele so riesige grenadierwerke. die römer villa hatte über 5000 quardratmeter, die erhaltenen mosaiken haben entsprechende ausmasse. das handpuppenmuseum entführt uns in kinderzeiten zu robbi tobi und dem fliewatüt. zwischendurch verbringt eva zwei tage in stuttgart bei ihrer mutter. das reinigen der satteltaschen und ausrüstung  bringt frische düfte. die ritterfestspiele in münster am stein-ebernburg machen laune auf mehr mittelalter, so entspannt, interessant und fröhlich sind sie: ritterturnier mit stunts auf höchstem niveau, der mittelaltermarkt in allen dorfgassen, klasse musikgruppen mit drehleiern, sackpfeifen und trommeln, die bewirtung in alten scheunen und gemäuern voller guter stimmung.

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bad kreuznach alte brücke
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bad kreuznach – klein venedig
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bad kreuznach salinental
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bad kreuznach römervilla
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ebernburg ritterturnier
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ebernburg spielmannszug
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ebernburg mittelalter-gasthaus

auszeit von der auszeit

07.09.16 monzingen – bad kreuznach – 36 km

blauer himmel und volle sonne. bad sobernheim zeigt sich ein wenig angegraut. die matthiaskirche mit sehr interessanten modernen fenstern und einem sölle-kunsterk. ab hier wird das nahetal richtig schön. auf der einen seite laubwälder und auf der anderen weinberge und beeindruckende felswände. wir müssen auch mal in die weinberge hochkraxeln, aber die ausblicke sind zu bezaubernd. weingüter, wellnesstempel – und dann passieren wir schon das erste thermalbad und gradierwerk in bad münster am stein ebernburg.

ein paar kilometerchen weiter erreichen wir die altstadt von bad kreuznach, pünktlich kurz vor halb drei, an der ferienwohnung, die nun für eine weile unsere sein wird. wir werden von hattemers sehr nett empfangen. der nachmittag ist mit einkaufen, einrichten und einer ersten waschmaschine gefüllt. wir werden hier nun zwei wochen lang station machen: wellness, privatisieren, tagesschau gucken, thermalbad. wir üben, wie man länger als drei tage in einem zimmer/ einer wohnung lebt. auszeit von der auszeit – und zwar ohne blog.

das heisst, ihr müsst nun zwei wochen lang ohne bloglesen einschlafen… aber ab 21. 09. melden wir uns wieder mit neuen rad-erfahrungen! vergesst dann nicht, wieder hier reinzuschauen. bis dann, eure eva und andreas.

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wir kommen nahe – näher

06.09.16 schauren – fischbach – idar-oberstein – fischbach – monzingen – 58 km

aus dem hunsrück an die nahe, von der deutschen edelsteinstrasse zur naheweinstrasse. der morgen war voller edelstein: alte wasserschleifanlagen, kupferbergwerk, edelsteinschleifereien. in idar-oberstein ein schmuck- und mineralladen am anderen. dann weitet sich das enge tal der nahe, die mächtigen felsen treten zurück und machen den weinbergen platz. am ende eines dorfes ein schreck: direkt vor uns neben dem radweg steht gerade der adac-rettungshubschrauber. wir müssen warten, bis er losfliegt, schauen ihm nach und denken daran, dass wir die ganzen monate und vielen kilometer keinen ernsthaften unfall oder erkrankung hatten, immer bewahrt geblieben sind. wir sind sehr dankbar dafür.

wir danken auch allen, die bisher fürs hospiz in bietigheim gespendet haben. wir freuen uns noch auf viele „abschlussspenden“ – auch wenn wir noch nicht ganz am „ende“sind…

der campingplatz nahemühle hat einen echten nahestrand und solar-spülplatz, wir geniessen die sonne am nachmittag.

höhe gewinnen im hunsrück

05.09.16 neumagen-dhron – morbach – schauren – 49 km

der hunsrück: bergig, waldig, hochebenen, einsam. von der mosel radeln wir das dhrontal hinauf. das ist hier der nhm: nahe-hunsrück-mosel-radweg. ausser uns sind da nur ein paar pferde, esel und kühe – in der reihenfolge – sonst nichts und niemand. ganz allein fahren wir die 800 höhenmeter bis nach morbach. die dörfer mit schiefer, fast ganz oben die ruine hunolstein, grosse mauerreste mit interessanten häusern, toller blick übers tal. der letzte schiebe-kilometer mit 13% steigung hat sich gelohnt.

in morbach tanken wir ein wenig auf: eis und cola. brötchen gab’s schon vorher. dann die nächsten 300 höhenmeter auf vier kilometern über den idarwald. wir nehmen die hardcore-variante, geradeaus rüber, nicht aussenrum wie der nhm. aber es sind nicht über 10%, also fahrbar.

die abfahrt ist die belohnung. am ende landen wir auf dem campingplatz harfenmühle. sehr netter empfang. hübscher platz. und ein gourmetlokal dabei – wird sogar im guide michelin erwähnt – wir schwelgen in weichem pastis, gratiniertem ziegenkäse mit honig, französischem rose und so weiter…

moselfahrt

04.09.16 trier – neumagen-dhron – 44 km

am morgen haben wir die ersten kastanien gesammelt. es ist ein regnerischer tag, aber wir sind ja an der mosel unterwegs, da kann man sich immer in ein weingut, eine strausswirtschaft retten… die steilen weinhänge sind einfach beeindruckend, dazu im vordergrund das wasser, die kleinen dörfer, und überall die spuren der römer: steine, strassen, darstellungen, villen… langsam gondeln wir die paar kilometer dahin. in neumagen-dhron der abend in „vinopolis“ beim weingut konstantinhöhe mit flammkuchen und wein, auch wenn das für uns als nicht-rieslingtrinker und und nicht-lieblich-lieber eher schwierig ist… das tut der freude und gemütlichkeit keinen abbruch.

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marx statt nero

03.09.16 trier

wir beginnen den tag – es ist unser hochzeitstag 🙂 🙂 – mit einer faulen moselfahrt und sekt. waren schon lang micht mehr auf einem schiff…

nach der vietnamesischen nudelsuppe geben wir karl marx die ehre, der hier geboren ist. das marxhaus bietet harte kost, zum denken und verstehen. so viel hegel, geschichte und politik… wie war das noch mit der revolution in frankreich? ah, 1789 war das schon: liberte, egalite, fraternite. ein meilenstein für aufklärerisches denken und menschenrechte. dann 1848 die deutsche märzrevolution, die zur nationalversammlung in der paulskirche geführt hat. da war marx in brüssel im exil, musste nun auch belgien verlassen und lebte dann mit seiner familie in london. dort starb marx 1883. seine idee des kommunismus, einer gesellschaft ohne klassenunterschiede, die in wahrer gleichheit im geben und nehmen lebt, halten wir bis heute für zutiefst christlich, bzw. eigentlich biblisch.  –  und wie war das dann mit der novemberrevolution 1918/19? nach der abdankung des kaisers die erste demokratische regierung in deutschland. leider waren die sozialisten zu sehr mit ihren eigenen flügelkämpfen beschäftigt, und unterschätzten die nationalsozialisten komplett…. und leider ist der grundgedanke von marx im „realexistierenden sozialismus“ gründlich verlorengegangen und überall in der diktatur steckengeblieben. heute braucht es wieder graswurzelgemeinschaften, die „marxistisch“ zu leben versuchen.

puhh, nero muss dahinter zurückstehen. der abend gehört den moselweinen im in-lokal kesselstadt am dom.

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moselfahrt
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marx
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moselwein