einen pfifferling wert

11.07.16 klimstrand – bulbjerg – hanstholm – saarup – 60 km

am morgen nehmen wir erst mal die strasse über vester thorup, meiden die waldwege. die vögel geben ein grosses konzert. dann holt uns die entschleunigung ein: am wegrand wachsen pfifferlinge! wir werden zu sammlern und aufmerksamen wegrandbetrachtern. vier nester mit pfifferlingen finden wir, eine grosse schale voll. am abend gibt’s also pfifferlinge, mit ein paar champignons aufgewertet, und mit zwiebeln in butter gedünstet, dazu egte dansk nye kartofler. es gibt auch sehr viele waldhimbeeren, die jetzt reif sind. gestern morgen hatten sir eine tasse voll zum frühstück ins müsli. lecker!

bulbjerg ist eine 47 meter hohe düne mit grossartigem blick auf die jammerbucht, und ausserdem eine riesige bunkeranlage der deutschen aus dem 2. weltkrieg, von der man teile besichtigen kann: gruslig. es gibt an der ganzen westküste entlang noch viele alte bunker am strand.

typisches radler-ehepaar-gespräch: er: wir sollten mal einen picknickplatz ins auge fassen. sie: hast du schon hunger? er: es ist halb eins! — es dauert noch eine 3/4 stunde, bis der picknickplatz mit seerosenteich kommt. da haben wir beide richtig hunger.

hanstholm durchfahren wir nur am rand. danach geht’s in die tved klitplantage, am rand des hanstholm vildreservats. gleich am anfang ein schöner shelterplatz, mit feuerstelle, plumpsklo, pferdeeinstellplatz für pferdewanderer und eigenem aussichtspunkt auf das reservat. wir beobachten am abend ein reh mit seinem kitz. ein käuzchen schreit. es regnet mal wieder.

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kanterelles – pfifferlinge

 

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kuhbegegnung
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bulbjerg bunker
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blick auf die jammerbucht
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shelter-leben

 

heute grau in grau

10.07.16 loenstrup – loekken – blokhus – slettestrand – klimstrand – 85 km

der himmel grau verhangen, mal mehr und mal weniger feucht, aber richtigen regen haben wir nur mal ganz kurz, sonne auch nur eine ahnung. der wind ist dafür heute völlig zahm. das meer liegt unschuldig still. es scheint sich zu verstecken: himmel und meer gehen so ineinander über, dass sie verschmelzen, zu einem gemeinsamen grau. wir radeln durch klitplantagen, die kleinen sandigen wälder, in denen man leute mit körben beim pilzesammeln begegnet. von loekken nach blokhus geht der radweg direkt auf dem strand, der hier auch für autos befahrbar ist: ein besonderes vergnügen für alle „jungs“…. wir meiden diese strecke – sorry, mary – und weichen auf die strasse aus, wir haben einschlägige erfahrungen mit den schweren rädern auf dem harten, aber trotzdem schwergängigen sand. zwei kilometer vor blokhus staut sich der verkehr massiv, alle wollen zum strand, und wir machen schnell einen grossen bogen…

auf dem grossen grill- und spielplatz vor blokhus finden wir einen überdachten tisch zum vespern. da ist ein grosses schickes schild zu den fahrradrouten, natürlich zuerst zur nordseeroute. da steht was über die „hochwertigen radwege“: hä? haben wir da was verpasst? wir quälen uns den halben tag schon mit tiefschotter, sand, welligen oberflächen, die uns zum langsamstfahren zwingen. wehe, man ist nicht ganz und gar auf den weg konzentriert und guckt mal einen moment auf, schon ist man aus der spur und muss es büssen… andreas kriegt einen ärgeranfall und schimpt lauthals… wir weichen zwischendurch wieder ein kleines stück auf die strasse aus.

der fast schon pittoreske shelterplatz in der kallerup klitplantage ist leider schon belegt, so radeln wir weiter zum klimstrand-camping, da hat man cola, bier, chips, heisse dusche… die tut uns nach 85 kühlen kilometern auch richtig gut.

ach ja, wir hatten es ganz vergessen: gestern haben wir die 4000 kilometer-marke geknackt!!! 

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gestern: wind wellen sandwehen
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heute: stilles meer am slettestrand
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„komfortable“ wege…

 

wind wellen waden

09.07.16 skagen – hirtshals – lönstrup – 75 km

heute weht kräftiger wind aus südwest – und wir radeln nach südwest. also radeln wir 75 km gegen den wind, das geht inzwischen ganz gut. aber die waden und oberschenkel werden doch ganz schön strapaziert… das meer schäumt ganz ordentlich, über den strand fegt der wind und macht eine sandstrahlmaschine daraus.

hinter skiveren in der tverup klitplantage ist die österklit mölle, die letzte alte stockmühle dänemarks und daneben der schönste overnatning mit sheltern, den wir in dänemark kennen. für uns gibts hier heute nur mittagsrast.

wir freuen uns über jedes waldstück, denn da ist der wind deutlich spürbar ausgebremst. die unbefestigten wege sind ganz gut befahrbar. wir müssen nur gut aufpassen, es gibt einige „untiefen“ im schotter, wenn wir da etwas zu schnell sind, kommen wir ordentlich ins schlingern… wir geniessen die blicke über heide und dünen aufs grüne meer.

beim shelter-platz vor lönstrup treffen wir heinrich und sabine aus nordeutschland und haben gute gespräche über fahrräder, ausrüstung, touren – was sonst?

 

gammeliger tag in gamle skagen

08.07.16 skagen

nachdem es gestern abend und heute nacht ordentlich geregnet hat, scheint heute wieder unschuldig die sonne. unsere tätigkeiten neben ausschlafen, fahrräder kümmern und einkaufen seht ihr hier auf den bildern:

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radüberschuhe flicken
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strandspaziergang in gamle skagen/ hoejen
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steine sammeln und fotografieren, weil mitnehmen können wir sie nicht
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ohne kommentar

p.s. aufruf von eva: wer kommt und geht mit mir schwimmen, ich hab da einen, der nimmt nur thermalbadwasser! ?

 

fischerei, frisör, faulenzen

07.07.16 skagen

skagen hat den grössten fischereihafen dänemarks. netze liegen am hafen ausgebreitet, die kleineren fischtrawler liegen hier. früher wurden die boote mit seilwinden auf den strand gezogen, 1907 wurde der erste teil des hafens eröffnet. heute hat er eine länge von über 6 km. viele teile bekommt man als touri nicht zu gesicht. die schiffe liegen schlange vor dem hafen. es gibt auch eine werft.

das besondere an der dänischen nordseeküste:  hier gibt es so viel unendlichen dünen-sandstrand wie in keinem anderen land. die dünchen in st. peter ording sind dagegen pipifax. die sandstrände in norwegen kleine buchten. das meer kein ruhiger durch inseln gezähmter fjord, keine sanfte ostsee, sondern die wellen schlagen unaufhörlich gegen den strand. vor den strömungen und besonders unterströmungen muss man sich in acht nehmen, es gibt plötzlich tiefe gräben, die nordsee ist hier kein kinderschwimmbecken. und dann: hier wird der blick durch nichts mehr begrenzt. keine schäre, kein berg, sondern einfach die weite des meeres bis hinter den horizont. wir blicken über felder, strand, wasser bis in – ja bis in die „endlosigkeit“ (400 km weiter ist ja schon die schwedische küste…). dieser entgrenzte blick, das macht die besondere atmosphäre und kraft der nordsee in dänemark aus.

ach ja, wir haben heute ansonsten gebummelt, muscheln auf dänische art gefuttert: mit pommes dazu (keine angst, andreas hat steak gekriegt), gefaulenzt, und andreas hat den friseur beschäftigt.

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skagen lys und kunsterne

06.07.16 skagen

heute ist die kunst dran: wir besuchen das skagen museum, das der künstlerkolonie gewidmet ist, die skagen in der 2. hälfte des 19. jahrhunderts sozusagen entdeckt hat. die „skagenmalerne“ wandten sich von der nationalromantik ab und suchten nach einer neuen realistischen, das „wirkliche leben“ abbildenden kunstform. in skagen fanden sie karge heide, verkrüppelte wälder, wildes meer, hart arbeitende fischer und das besondere skagen lys, das sich ständig wandelnde licht. sie malten die fischer und kleinbauern bei der arbeit, in alltagsszenen, dünen und strand, licht und schatten. michael und anna ancher mit ihrer tochter helga ancher, holger drachman, dichter und maler, oscar björck, sowie peder severin kroeyer sind die berühmtesten namen. um die jahrhundertwende nahm der internationale einfluss der kolonie wieder ab. doch den malern folgte die kopenhagener gesellschaft, sogar die königliche familie, und skagen wurde zum bade- und urlaubsort. das haus der familie ancher können wir im originalzustand besichtigen, eine reise ins alte skagen…

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oscar björck, 1884, das boot wird ins wasser gelassen

 

am abend radeln wir auf die westseite skagens, die nordseeseite. hier schlagen die wellen kräftig auf den strand, mit getöse. wir spazieren ein stück, picknicken an einer bank, mit sauvignon blanc!  und dann kommt das, was andreas „die erde kippt ab“ nennt: wir platzieren uns auf den dünen, samt schlafsack, und schauen uns an, wie die sonne langsam ins meer sinkt – ähh, die erde langsam abkippt…. schiffe gleiten über den horizont, weichgezeichnet vom abendlicht, die wellen färben sich rosa bis orange. eva schwelgt: immer wieder wunderschöön. andreas schaut auf die uhr: wann ist es zuende? mit rückenwind fahren wir „heim“ zum campingplatz.

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skagerrak und kattegat

05.07.16 skagen

heute ist der spaziergang nach grenen dran, an die nördliche landspitze dänemarks, wo skagerrak und kattegat zusammenfliessen. jeder, der hierherkommt, muss dahin. man kann die verschiedenen farben von ostsee (kattegat) rechts und nordsee (skagerrak) links sehen. in der mitte wellen, die zusammentreffen. es stimmt abet nicht, dass es die wellen von ost- und nordsee sind. sondern die wellen der nordsee treffen auf den riegel der ostsee und werfen sich zurück, stossen also auf sich selbst, äh, oder so…  wir besuchen das odde naturcenter, in dem ein film und interessante tafeln die skagen odde und ihre entstehung erklären. diese landspitze ist erst in den letzten 300 jahren entstanden, und sie wächst jedes jahr weiter. die spitze verändert sich auch von jahr zu jahr, manchmal nach einem einzigen sturm so stark, dass sie ganz anders aussieht. in diesem jahr gibt es gar keine richtige „spitze“, nur eine rundung. das naturcenter beherbergt auch eine ausstellung von „frauenkunst“, anlässlich 100 jahre frauen in der künstlerkolonie.

im nachmittagsregen genehmigen wir uns am hafen in einem der restaurants scholle und krabben, tee und heisse schokolade. davon dass skagen die meisten sonnenstunden dänemarks hat, kriegen wir heute zumindest nichts mit…

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boxenstopp: wir machen urlaub!

04.07.16 jerup strand – skagen – 32 km

heute morgen war es ein klacks, schnell noch die 30 kilometer nach skagen rauf zu radeln. natürlich sind wir an „den tilsandede kirke“ nicht vorbeigefahren. die kirche aus dem 13. jahrhundert musste ende des 18. jahrhunderts aufgegeben werden, als sie vom flugsand der wanderdünen zugeweht wurde. 20 jahre lang hatten die skagener noch den eingang immer freigeschaufelt. das schiff wurde abgebrochen, aber der turm blieb als seezeichen stehen und ist heute ein touristenmagnet.

wir haben uns auf dem gut ausgestatteten poul eeg camping eingerichtet und werden hier einige tage bleiben. wir haben 2/3 der strecke und die hälfte der zeit hinter uns – also machen wir jetzt urlaub! leider knacken wir jetzt die 4000 km nicht ganz, es fehlen nochmal 32 km, aber ihr werdet lesen: hier gibt es viel interessantes zu sehen und zu tun.

als erstes war die waschmaschine dran, 1. teil (wir konnten uns nicht mehr riechen…). dann ein bummel durch die fussgängerzone: in skagen geht was, auch am montag nachmittag! seit letztem jahr hat die stadt den hafen um einen pier für die grossen kreuzfahrtschiffe erweitert, skagen boomt! so viele schicke läden und designshops. zum glück können wir nichts kaufen…

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den tilsandede kirke
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nochmal jerup strand
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hallo tine, das ist für dich, in erinnerung…

wegkirchen – wolken – waden

03.07.16 lille vildmose – hals – fredrikshavn – jerup – 98 km

flaches dänemark, lange gerade asphaltbänder, etwas rückenwind, und schon flutschen die kilometer dahin! am beeindruckendsten heute das wolkenspiel mit verschiedenen schichten: weisse, graue, schwarze. dick sich ballende, flach sich ausbreitende. im meer gehen wolken und wasser ineinander über. mal sehen wir rechts über dem meer und zugleich links über dem land regenschwaden niedergehen, wir radeln trocken in der mitte. natürlich erwischt es uns auch ein wenig. aber nicht viel, zweimal retten wir uns rechtzeitig ins lokal… überall finden sich kleine loppemarked, garagenflohmarkt.

von egense bringt uns die fähre über den limfjord nach hals. wir werden den limfjord, der dänemark sozusagen teilt, an der westküste in thyborön wieder überqueren.

in melholt besuchen wir eine der „vejkirker“, die offen sind und sehr hübsch. es gibt einen prospekt mit kurzbeschreibungen aller weg- und offenen kirchen in jütland. die schmucke neoromanische melholt kirke hat eine besondere altartafel: nicht der gekreuzigte oder auferstandene ist zu sehen, überhaupt kein kreuz, sondern jesus und nikodemus im gespräch. der glaube als beziehungsgeschehen.

wir danken gott heute einfach mal dafür, dass wir soweit und so lange ohne ernste zwischenfälle gekommen sind. ist das nicht wunderbar?

typisches gespräch auf langen strecken. der vordere hört von hinten was, ruft nach hinten: „was isch?“, die antwort tönt nach vorne: „alles gut!“ – und weiter geht’s.

heute wieder ein idyllischer shelterplatz am jerupstrand. haben ein nettes gespräch mit einer ostdeutschen familie, die hier den nachmittag verbracht hat. wir sitzen zum abendessen und bloggen an der tischbank in den dünen mit abendsonne, hören und schauen den lerchen, möwen und gänsen zu. die waden und oberschenkel sind irgendwie etwas angestrengt…

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melholt kirke: jesus und nikodemus
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windkraft auf dänischem hof
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shelter jerup strand
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gruss an „hoffmänner“

overnatning i det fri

02.07.16 fjellerup – udbyhoj – hadsund – lille vildmose – 85 km

in der nacht hat der regen so kräftig aufs zelt getrommelt, dass das mit dem tiefen ruhigen schlaf nicht ganz so geklappt hat. dafür radeln wir trocken und flott los, schnell mal nach udbyhoj und mit der fähre über den randersfjord.

dann ereilt uns ein regenschauer – natürlich genau an der einen der zwei nennenswerten steigungen heute – und zwar so rasch, dass wir schon nass sind, bevor wir die regensachen aus der tasche haben. nach ein paar minuten ist der spuk vorbei und wir trocknen in der sonne. beim zweiten mal sind wir schlauer und ziehen die regensachen frühzeitig an – und siehe, die regenwolke zieht schnell vorbei…

in hadsund überqueren wir den mariagerfjord. die strecke hinter hadsund ist gerade und hat kaum steigungen, eine alte bahnstrecke, voll durchasphaltiert. wir rasen dahin – und werden schliesslich von einem schotterstück wieder auf den boden der realität zurückgeholt.

lille vildmose vor dokkedal ist ein naturschutzgebiet, das grösste hoochmoorgebiet in nordeuropa, der torf ist bis zu 5m dick. es gibt seltene vogelarten, rothirsche, wildschweine und es brütet hier ein steinadlerpaar (eins von dreien in dänemark). ausserdem gibt es in der nähe vom besucherzentrum einen shelterplatz, auf dem wir heute nächtigen. shelter sind kleine niedrige hütten auf stelzen, in denen man schlafen kann, hier sogar mit schiebetüren. es gibt wasser, eine feuerstelle mit holzshelter (!) und ein traditionelles plumpsklo. solche kostenlose „overnatning i det fri“ gibt es in ganz dänemark, mit oder ohne shelter, manchmal auf bauernhöfen. wir kennen und schätzen sie von früheren urlauben.

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shelter lille vildmose
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shelter innen
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fähre randersfjord udbyhoj
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typische dänische dorfkirche