heute grosser shoppingtag. von den socken bis zum helm gibt es einige runderneuerung bei uns. manches material schwächelt nach vier monaten. und eine sommerhose reicht bei den schwitztemperaturen doch nicht ganz…. obwohl, heute abend weht schon wieder ein kühlerer wind.
auch andreas‘ antrieb hat verschleisserscheinungen. ein hohes lob auf zweirad clausen in husum, der uns trotz hoher auslastung (es geht zu wie im bienenstock) nicht weggeschickt hat, sondern ausser kette und ritzelpaket auch gleich noch das licht repariert hat – und das zu einem superpreis – siehe foto! vielen dank!
morgen früh müssen wir nur noch die radkarten in der schlossbuchhandlung abholen, dannn können wir wohlgemut weiterradeln am wattenmeer.
husumer marktplatzzweirad clausen husumaltes bauernhaus in lundunsere stolze ausbeute
sonntags in der kleinen staansdt – die glocken in der nahen kirche läuten, aber wir sitzen beim gemütlichen frühstück vor dem zelt in der sonne. später radeln wir nach husum rein und lassen uns treiben. am marktplatz und am innenhafen, wo die geschäfte geöffnet sind, kaufen was ein ein, essen einen eisbecher statt mittagessen und stellen dann fest, dass man hinterher eine pizza braucht… besuchen das nationalpark-wattenmeer-haus und dann natürlich das theodor-storm-haus. der grosse dichter kommt ja aus husum. am bekanntesten ist ja das “ von draus vom walde komm ich her…“. uns gefällt heute ein anderes besonders gut:
ans haff nun fliegt die möwe, und dämmrung bricht herein; über die feuchten watten spiegelt der abendschein.
graues geflügel huschet neben dem wasser her; wie träume liegen die inseln im nebel auf dem meer.
ich höre des gärenden schlammes geheimnisvollen ton, einsames vogelrufen – so war es immer schon.
noch einmal schauert leise und schweiget dann der wind; vernehmlich werden die stimmen, die über der tiefe sind.
wir suchen noch den radladen, den wir morgen brauchen – und auf dem heimweg müssen wir leider im stadtteil lund nochmal einkehren im dörps cafe, ganz dörflich mit leckerer torte und waffel.
zum abschluss besuchen wir endlich das kleine „kirchlein am meer“, eine romanisch – frühgotische dorfkirche mit zwei kreuzen: über dem chorbogen ein romanisches mit dem herrschenden, segnenden christus, über dem altar eines mit dem leidenden christus mit einer seilkrone statt dornenkrone. früher war die kirche ein seezeichen für die schiffe, die im hafen einfuhren. heute ist sie für orgelkonzerte und hochzeiten beliebt. die pfarrer dort machen übrigens grade ein sabbatical, steht im schaukasten.
ruhiger abend auf dem campingplatz mit scrabblespielen.
kirchlein am meer, schobüllkirchlein am meer, schobüll
gemütliches frühstück auf leicht’s terrasse, noch ein frauen-bummel und -shopping-event, und dann gibt es einen ein abschiedsempfang extra für uns: mit sekt und häppchen, der kurdirektor hält eine rede, es gibt herzchenluftballons – äh, na ja, nicht ganz nur für uns, sondern anlässlich des einjährigen jubiläums der wand für liebesschlösser direkt neben leicht’s häuschen, da wir uns ja in der liebesallee auf pellworm befinden. sogar ein echtes brsutpaar kommt und hängt sein schloss auf.
also nach dem empfang schwingen wir uns auf die fähre und dann auf’s fahrrad – und schwupps, ist die fahrt schon wieder zuende, wir sind auf dem camping „seeblick“ in schobüll kurz vor husum.
wir danken familie leicht noch einmal von ganzem herzen für die selbstverständliche gastfreundschaft und die schöne zeit miteinander!
liebesallee in pellwormpellwormer hafentschüss, pellworm!
heute gemütliches langes leckeres frühstück, und nehmen dann ein pellwormer bad, in jeder hinsicht. marieluise und karl führen uns vorzüglich. die insel pellworm ist 1632 bei der zweiten „grossen manntränke“ entstanden, bei der 10 000 menschen ertranken und die ehemalige insel „strand“ in mehrere stücke zerbrach. die stadt – oder das dorf? – rungholt versank im meer. noch heute findet man im watt überreste. die alte romanische kirche st. salvator aus der 11. jahrhundert hat eine arp schnitger-orgel. der ehemalige turm war sehr hoch zugleich ein seezeichen. wir besuchen den deich und schauen zur hallig hooge rüber, wir bummeln durch schnuckelige lädchen, die windmühle, futtern fischbrötchen und besuchen das museum mit einer ausstellung über die sturmfluten der jahrhunderte. pellworm ist eine kleine, ruhige, oberhaupt nicht rummelige insel, wie wir es mögen. dann aber nochmal baden, solange flut ist (unten die beweisfotos). zum abschluss leckeres fischessen mit der ganzen leicht-sippe im „unter den linden“.
pellwormer leuchtturmalte kirche in pellwormalte kirche pellwormpellwormer idyllebadebeweiskarl, marieluise, eva, andreas
die ersten paar hundert meter bringen uns nach deutschland. wir lernen: dänische deichschafe und deutsche deichschafe unterscheiden sich grundlegend. dänische sind sehr ängstlich, galoppieren weg, sobald man nur etwas näher kommt. deutsche schafe machen sich auf dem weg breit und bequemen sich grade so mal ein wenig zur seite, dass wir vorbeikommen. das vesperbänkle ist auch von einem schaf belegt, das uns zwar hinsitzen lässt, aber selber nicht weicht und interessiert unser brot und klamotten beschnuppert. sehr neugierig. und wie machen sich schafe schatten, wenn es sehr heiss ist, auf den baum- und strauchlosen deichen und salzwiesen? man stellt sich ganz eng im kreis zusammen, die köpfe in die mitte – und schon haben alle den kopf im schatten!
wir radeln und radeln geradeaus am deich entlang, blick auf das watt. das werden wir jetzt wohl noch länger haben. aber erst mal biegen wir ab, steigen auf die fähre nach pellworm – und besuchen karl und marie-luise leicht und familie in ihrem wunderhübschen reetgedeckten feriendomizil. am nachmittag gehen wir gleich mal miteinander baden: hurraaa! das erste richtige bad und schwimmenin der nordsee!
gestern war natürlich der 19., nicht der 18. juli (ist verbessert) – tja, wenn man so ganz ohne kalender lebt und reist, da werden daten und wochentage eher bedeutungslos…
heute begleiten uns deichschafe. und die unmöglichen gattertüren und viehgitter, damit sie nicht weglaufen.wir haben nicht mitgezählt, aber die gatter sind schräg, man muss sie mit dem einen arm halten und mit dem anderen arm das schwere rad durchschieben, sich dabei verrenken und verdrehen. das geht in die arme und schultern. und nervt. dazu sind die schmalen druchgänge von brennnesseln überwuchert, aua! und pferdebremsen lauern auf frisches blut.
auf den feldern sind die ersten mähdrescher zugange. wir sehen endlich den ersten storch auf unserer reise. in hoejer, einem charmanten alten dorf, besuchen wir die windmühle, die heute ein museum ist, auf ein eis.
in dänemark sieht man viele ältete mit „shoppern“, bei uns nennt man das „krankenfahrstuhl“. die leute scheuen sich nicht, damit unterwegs zu sein. es gibt sie auch mit offroadreifen für schotterwege – und sogar mit anhänger, siehe unten. wir finden das spitze!
noch einmal acht kilometer gegen den wind, und wir sind im grenzörtchen rudboel, richten uns auf dem campingplatz ein. am abend endlich mal lange in der sonne sitzen – und dazu eine kuriose fahrt mit dem traktorwagen, im schritttempo einmal um den campingplatz.
am morgen durch esbjerg mit blick auf den riesigen hafen. 250 kilometer im meer vor esbjerg wird öl und gas gewonnen. die entsprechenden spezialisten und firmen sitzen also in esbjerg. ausserdem werden von hier aus die spezialschiffe, die die grossen windräder offshore in die see setzen, eingesetzt. esbjerg spielt also eine grose rolle bei der energieversorgung dänemarks. – wir aber radeln schnell durch und hinter dem deich weiter zur kammerslusen. heute nicht wie vor vier jahren mit sechs stundenkilometern gegen den wind, sondern wir brausen mit über 20 km/h dahin. überall, wo ein flüsschen in die nordsee mündet, findet sich hier eine kleine „schleuse“ im deich, an der kammersluse sogar eine für boote. hier biegen wir ab und brausen noch schneller nach ribe und sind pünktlich zum mittagessen da.
ribe ist eine wunderschöne mittelalterliche stadt. in der mitte der grosse dom, der 850 von st. ansgar gegründet wurde. mitte des 12. jahrhunderts wurde der dreischiffige romanische dom aus tuffsteinen aus dem rheinland erbaut, später gotisch umgebaut und auf fünf schiffe erweitert – die älteste kathedrale dänemarks und die einzige fünfschiffige nordeuropas. sie hat einen kirchturm und einen bürgerturm, das schiff ist klassisch schlicht, die orgel aus dem 18. jahrhundert und der chor ganz modern mit interessanten wandmosaiken. der domplatz ist restauriert und ein schmuckstück geworden. das kannikegarden ist ein museum über de ausgegrabenen resten eines klosters von 1145, dem ältesten ziegelgebäude dänemarks; es ist selbst aus ziegeln aus vulkanischem ton gebaut, sehr gekonnt in die mittelalterliche umgebung eingepasst. vor vier jahren war da nur eine riesige baustelle. um dem dom herum lauter kleine pflastersteingassen mit fachwerkhäusern, das alte rathaus, das katharinenkloster, ein kleiner hafen im kanal. die stadt ist voller leute, die bummeln und den sonnigen nachmittag geniessen. wir richten uns auf dem grossen modernen campingplatz ein und kehren dann zurück in die abendliche stadt. auf einer wiese am kanal ist ein oldtimertreffen – und wir kehren gegenüber im „seehund“ ein.
am ende der nachtwächter von ribe. bei orangem abendhimmel, vollmond und bei der heimfahrt bodennebel – da ist das lied wahr geworden: der mond ist aufgegegangen, die goldnen sternlein prangen am himmel hell und klar, der wald steht schwarz und schweiget, und aus den wiesen steiget der weisse nebel wunderbar (siehe unten).
esbjergs wahrzeichen, mal von hinten, im morgendlichen wolkengrauribe domkirkedomkirke chor
heute das letzte stück dünenlandschaft, in esbjerg sind wir schon im nationalpark wattenmeer, also ab jetzt: deichlandschaft.
vorher aber machen wir einen kleinen abstecher nach nörre nebel. neue erfahrung: ärztehaus in dänemark. es ist nix schlimmes, nur eine bindehautentzündung. trotz vieler leute nur eine stunde warten, keine besonderheiten – ausser: überall zahlt man die kleinsten beträge mit karte, app, handy, usw. nur beim arzt heisst es: bares ist wahres… um eine erfahrung reicher kürzen wir ab, lassen vejers rechts liegen und radeln direkt nach oksböl. der truppenübungsplatz, den wir durchqueren, kommt uns bekannt vor: vor jahren einmal sind wir da mitten im wald von panzern, militärlastern und einem trupp soldaten überrascht worden. da hatten wir herzklopfen…
in oksböl dann eine unerwartete begegnung mit deutsch-dänischer geschichte. wir kommen an einen deutschen kriegsgräberfriedhof. die meisten kreuze aber sind zivile opfer, frauen und kinder. wir finden heraus, dass hier nach dem krieg von 1945 bis 1949 das grösste dänische flüchtlingslager mit 35 000 „einwohnern“ war – fast so gross wie bietigheim. die menschen waren aus den ostgebieten über die ostsee geflohen. es gab einen lager-bürgermeister und stadtrat, ämter, kindergärten, kino… es war sehr beengt. viele starben an typhus, scharlach, diphtherie. wir sehen auch eines der ehemaligen häuser. es gibt einen rundweg mit erinnerungsorten. insgesamt nahm dänemark damals 200 000 flüchtlinge auf.
hinter oksböl wird es ländlich, bäuerlich, mit galloways. sogar ein ganz kleines bisschen hügelig. aber wir haben leichten rückenwind und brausen dahin. in hjerting vor esbjerg liegen die schicken villen am meer: traditionelle, aber man kann vor allem auch moderne architekur bewundern. dann unsere lieblingseisdiele direkt an der strandpromenade, die lassen wir nicht aus…
esbjerg camping liegt vor der stadt. wir wundern uns, wie schnell wir da sind. und andreas macht jetzt mal die augen zu statt auf…
gallowayskriegsgräberfriedhof oksbölvillen in hjertinghjerting
nach einer etwas kurzen nacht – die jungs nebenan haben die halbe nacht gekichert, eigentlich ganz süss – starten wir früh, düsen nach thorsminde und dann weiter, ab dem vedersee auf der strasse, immer geradeaus hinter den dünen nach söndervig. dort kriegen wir einen kurzen kulturschock: es ist gerammelt voll mit leuten, die shoppen, bummeln… wir fliehen hinaus. nun geht es viele kilometer lang durch ferienhaussiedlungen, unterbrochen von nur kurzen stücken dünenheide. keine ahnung, wie viele tausende ferienhäuser es hier gibt. vor 2/3 der häuser steht ein deutsches auto. apropos: gestern, samstag, war wechsel. uns ist ein auto nach dem anderen aus süden entgegengekommen, voll bepackt, mit fahrrädern drauf. an den büros der ferienhausausleiher wie „dansommer“ und ähnlichen stauten sich die autos. familien mit papieren und den immer gleichen plastiktaschen kommen heraus. das geht so jeden samstag… allerdings muss man sagen, dass die meisten siedlungen gar nicht so schrecklich sind. die häuser sind sehr individuell, keine mobilhome-siedlungen, in denen man sich verläuft. sie liegen halbwegs weit genug auseinander, dass man sich nicht schnarchen hört.
der weg von söndervig bis weit hinter hvide sande schlängelt sich seiss-sandig beständig durch die dünenheide, mit und ohne ferienhäuser, es ist sehr schön. einige vogelschwärme schwirren durch die heide, wir saugen den heideduft ein und geniessen den blick auf die hohen dünen, sofern wir nicht sehr auf den weg achten müssen, wegen pfützen, tiefsand… den leuchtturm lyngvig fyrmarken besteigen wir dieses mal ausnahmsweise nicht, weil: er ist so hoch, das geht in die beine, andreas ist das letzte mal fast nicht mehr runtergekommen, ausserdem ist ja gar keine fernsicht heute, wir lassen den vielen anderen den vortritt….
in hvide sande ist es wieder ziemlich voll. wir schauen am hafen vorbei und dann bei „outdoor-x-perten“, weil unser primus-kocher meckert. den haben wir vor vier jahren genau hier gekauft! gemeinsam finden wir raus, dass die dichtung schwächelt, nur ein kleines teil, aber sie haben natürlich keine da. also kaufen wir einen neuen kocher, jetzt haben wir insgesamt drei und könnten sozusagen menü kochen.
wir sind noch nicht ganz ausgelastet und radeln noch ein stück weiter bis zum bjerregaard camping, der am fjord liegt. gekocht wird heute gourmet: tomaten mit balsamico und basilikumöl, dann basilikumnudeln mit bärlauchpesto aus vestkystens gardsbutik, einem edel-hofladen vor söndervig. zum nachtisch gibt’s trauben.
ferienhäuser in den dünenlyngvig fyrmarkenhvide sande hafendünenlandschaft
heute geht’s endlich wieder los. wir haben schon fast gefiebert… noch ein stückchen thy-nationalpark, dann geht’s durch die felder und am flade – und örungsee vorbei nach agger, und von hier aus unser traditionelles „hass-stück“, die endlos langen und geraden zwölf kilometer damm zur thyborön-fähre. wir hatten das schon mehrfach mit hartem gegenwind und regen, der ins gesicht peitschte, in beide richtungen; vor vier jahren sind wir lieber 80 kilometer umweg gefahren… heute war es sehr moderat: der regen hat in agger rechtzeitig aufgehört, und der gegenwind war fast sanft. wir konnten sogar nach den seeschwalben und anderen vögeln ausschau halten: dieses gebiet ist ein vogelschutzgebiet, es gibt auch ein nationalparkhaus.
in thyborön sind wir schnell zum sneglethuset geradelt, einem haus, das mit lauter muscheln verziert ist. es ist viel bunter und grösser als wir es in erinnerung haben. müssen mal auf alten bildern nachschauen, wie es früher war… auf alle fälle, liebet adrian: siehe unten, trotz wolken…
dann geht es noch einmal durch ein vogelschutzgebiet am ferringsee. viele interessante vogelstimmen begleiten uns. in bovbjerg begegnet uns wieder der maler jens söndergaard, der nicht nur in vorupör, sondern auch hier ein sommerhaus hatte. das haus ist ein museum mit wunderbaren bildern. davor eine bronzefigur, die aufs meer schaut. in bovbjerg gibt es steile klippen zum meer, das zieht drachensegler an, die hier sanfte runden drehen. der rote bovbjerg leuchtturm gleich daneben.
noch ein wenig weiter, schon sind wir in fjaltring. am strand gibt es zwei schöne shelter. wir richten uns ein. es kommt eine gruppe junger männer mit eher asiatischem aussehen. sie fragen, woher wir kommen. sie selber stellen sich als dänen vor. als wir nachfragen, woher sie ursprünglich stammen, stellt sich heraus, dass sie aus buthan sind, seit sechs bis sieben jahren in dänemark. das gefällt uns: dass sie sich als dänen vorstellen und fühlen. sie haben viel bier dabei. mal sehen, wie die nacht wird…
zum essen gibt es rote beete-kartoffeleintopf, als nachtisch rote träuble mit honig. alles aus einer der verkaufstruhen am strassenrand, ganz frisch.
sneglehuset in thyborönjens söndergaard statue bovbjergdrachenseglerverkaufsstand am weg