hochland-täler

18.05.16  tain – invershin – lairg – altnaharra – 76 km

am vormittag schottischer landregen. wir machen nur in edderton beim grabstein aus dem 9. jahrhundert halt: es ist ein besonderes gefühl, die arbeit von händen von vor über 1200 jahren zu sehen und zu berühren. in invershin hört es pünktlich auf zu regnen. zur fahrt durch das shin-tal kommt sogar die sonne zwischen den schwarzen regenwolken raus. überall schiessen kleine bäche den hang hinunter. zwischen rostrotem winterlichem heidekraut und farn glitzern regentropfen und frische lindgrüne triebe. der shin rauscht über die felsbrocken. am shin-fall steigen wir zum fluss hinunter. dann sind wir zu mittag schon in lairg. wir treffen einen reiseradler, der in gegenrichtung unterwegs ist, dann gleich nochmal zwei. somit sind es insgesamt neun reiseradler mit grossem gepäck (die wochenend-radler zählen wir nicht).

die A836 wird hier zum singletrack. er füht ins hochtal des tirry hinauf. es geht über 30 km stetig hoch, aber nicht zu steil. wir radeln am ben kilbreck entlang, 962m hoch, sagt die karte. aber er ist nicht zu sehen, alles verschwindet in den wolken. karges gras und erikabüschel, schafe, hügel und einige waldflächen, ein grosser hang ist vom sturm abgeholzt. ein kuckuck ruft – der erste, den wir hören. das crask inn ist zu. ein kalter nieselregen etabliert sich, dazu frischer gegenwind. es wird sehr kalt: handschuhe! im altnaharra hotel ordern wir die grösste teekanne, die sie haben. und nehmen gleich ein zimmer: sehr gepflegtes abendessen, feuer im kamin, fisch, steak, schokomousse, käse.

whisky – wärme – wohlbefinden

16. und 17.05.16  tain – 00 km

im kleinen beschaulichen tain gönnen wir uns zwei ruhetage: bummeln, lesen, fahrräder richten, einkaufen, führung in der glenmorangie-distillery. jetzt wissen wir, wie whisky entsteht – und dass er schmecken kann. wir geniessen so feines wie 12 jahre alten highland single malt scotch whisky, der nach der originalen fassreifung noch weitere jahre im wein-, sherry- oder portweinfass gereift ist (und das ist noch jung). abends an der bar unterm hirschkopf weitere studien…

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glenmorangie distillery

2016-05-16-whiskey-probe

 

hochmoor, hirsch und heide

15.05.16 inverness – dingwall – alness – tain – 64 km

wir nehmen bis tain die winterroute (die fähre nach nigg geht erst ab 30. mai, aber letztes jahr ist sie wohl überhaupt nicht gefahren). hoch und wieder runter nach dingwall, und da brauchen wir (zum ersten mal seit edinburgh) die regenklamotten. also in dingwall erst mal tee trinken… dann erst mal wieder gemein hoch, aber alles halb so schlimm, es kommt ja auch wieder die abfahrt. wir radeln durch ein hochmoor, sehr schön, mit vielen ausblicken über den cromarty firth. wir gondeln gemütlich, begegnen zwei jungen und später zwei alten wanderern, schauen eine weile reitern bei einem springreitparcours zu – und dann sind wir schon in tain. das hotel entpuppt sich als altes viktorianisches gebäude mit original einrichtung, jugendstilfenstern, einer bar mit kaminfeuer, hirschkopf darüber (geschossen 1879 vom angeblichen „tröster“ der verwitweten königin victoria), passende musik, leckeres essen – und wir kommen mit dem ehepaar am nachbartisch sehr nett ins gespräch.

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über dem cromarty firth
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begrüssung in inverness
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frühstück auf dem camping in ythan bank
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tarves

die highlands rücken näher

14.05.16 brodie – nairn – culloden – inverness – 46 km

pünktlich um 10 uhr zum 2. frühstück in nairn, mit wifi! dann abgekürzt: auf der B 9091/9006 radeln wir flott und mit weniger steigung zum culloden battlefield. hier fand 1746 die traumatische schlacht der jakobiten gegen die englischen regierungstruppen statt. innerhalb 1 stunde war sie verloren. das museum sehr gut, mit einer filmanimation auf vier wänden – puuhh, man hat das gefühl, selbst dabei zu sein.

die blicke auf die highlands werden immer mehr. da wo wir hinwollen, sind die gipfel noch schneebedeckt: „was müssen das für berge sein, wo die kleinen zwei schurys wollen radeln gehn, ohne viel zu weinen. rechts sind berge, links sind berge und dazwischen wir zwei zwerge, wo die kleinen zwei schurys wollen radeln gehn, mutig sidn die beiden.“

schnell sind wir dann vollends inverness, dem „zentrum der highlands“ an der mündung des river ness (loch ness ist nicht weit, aber da waren wir schon mal…). in der fussgängerzone werden wir von einem oldie-konvoi begrüsst, und dann von einer dudelsack-parade, wie für uns bestellt. das b&b no. 55 in der kennethstreet ist sehr nett (nicht so teuer, £70). wir nützen den nachmittag und gehen gleich noch um die ecke zur laundrette, unsere miefklamotten waschen. ruhiger b&b-abend.

so kann radfahren sein!

13.05.16  buckie – elgin – forres – brodie – 67 km

der morgen beschert uns eine robbenkolonie am strand nahe der strasse – da braucht man kein fernglas – mindestens 20 robben und jungtiere. und wir haben heute rückenwind und ebene, wenig steigungen. soo kann radfahren also sein!  wir düsen 30 km bis elgin, im cafe der bücherei am park gibt es heissen tee und hühnersuppe, zum vespern ist es zu kalt. der einzige regenschauer des tages geht während der suppe runter: lucky! am nachmittag kommt die sonne raus. wir radeln durchs land: fasane laufen uns über den weg, die ersten fliederbüsche blühen. hier gibt es einige kleine laubwälder voller zartem buchen- und birkengrün. weisse und rosa blütenbäume prahlen in der sonne. in kinloss schauen wir die ruinen der ehemaligen zisterzienserabtei an. in brodie verzaubert das castle mit seinen parkanlagen, dem kleinen see und einer 1200 jahre alten inschriftenplatte. der old mill caravan park liegt an der A, also viele autos, aber mit hühnern und enten, die ums zelt picken.

robbenwatching abgehakt

12.05.16 banff – buckie – 38 km

grauer vormittag. grauer himmel, graue wolken bis auf die felder herab, graues meer, graue häuser, graue kälte… in cullen am marktplatz an der ecke das cafe „rockpool“: sehr gemütlich, leckere cullen-skink-soup (örtliche spezialität, eine räucherfisch-kartoffelsuppe), sehr leckerer cappucchino. da kommt auch schon die sonne raus. und nun: blauer himmel, blaues meer, goldgelber ginster, dazu grasgrün – wunderbare blicke von der ehemaligen bahntrasse über die bucht. am strand beim strathlhene caravan park beobachten wir lange eine kleine robbenkolonie auf einem felsen.

übrigens: wichtige info für alle uk-radler, egal ob england oder schottland: um 5 uhr nychmittags – 5 pm – schliessen die meisten läden, alle cafe’s, auch in städten wie lincoln oder edinburgh. nur einige supremärkte haben bis spät abends offen. auch auf unserem campingplatz wird um 5 pm die laundry zugemacht. das abendessengeschirr sollen wir gefälligst am nächsten morgen spülen… andreas hat vollends eine erkältung erwischt, wie gut, dass medikamentennamen lateinisch sind: echinacea und co. können gut kommuniziert werden.

auf und ab

11.05.16  ythan bank – audnagatt – maud – cuminestown -turriff – banff  62 km

am morgen bekommen wir erst mal ein full scottish breakfast serviert, im innenhof auf dem campingplatz. wow! ansonsten geht es den ganzen tag nur hoch und runter, hoch und runter. nur das stück bahnlinie von augnagatt bis maud ist besser. und vorsicht: auch ein schönes flusstal bedeutet nicht, dass es eben wäre. wir fahren mal hoch über dem fluss, mal ganz unten, usw. keine ahnung, wie viele höhenmeter das sind. aber es ist anstrengend. andreas ist am abend brezzelfertig. eva galoppiert mit kühen um die wette. drei ausgebüchste gänse am strassenrand, ein verlaufenes lamm auf der strasse… wir werden wieder oft angesprochen: woher, wohin usw, manchmal sogar auf deutsch. sehr nett alle. kaum schaut man mal auf die karte, kommt schon einer und fragt, ob er helfen kann. in banff der camping direkt am meer. es ist kalt geworden. im zelt ist es warm. die wellen dröhnen.

best place to stay

10.05.16 aberdeen – dyce – newmacher – tarves – ythan bank  42 km

wir werden sehr gut aus aberdeen heraus geleitet, durchs altehrwürdige uni-viertel mit viel kopfsteinpflaster (schieben), dann am hübschen river don entlang. ab dyce alte eisenbahnlinie, das verspricht wenig, aber stetige steigung. da der mittler teil des bahnlinienwegs schlecht ist, seider hügelauf und hügelab druch eine riesige christbaumplantage und felder. in tarves ein schöner spar-laden. wir vespern auf dem dorfplatz warme pie und geniessen das erste eis der saison! eine frau, die das örtliche schulmuseum betreibt, spricht uns an, weil sie die geschichten von leuten, die durch tarves kommen, sammelt. gutes gespräch, wir machen fotos. dann ab von der route zum campingsite in ythan bank. ACHTUNG: this is one of the must-have-been!! schöne wiese, erstmal tee ans zelt. waschhaus liebevoll ausgestattet, mit blumen, kräuterdusche usw. alles ziemlich öko. wir sitzen den ganzen nachmittag faul in der sonne. abends machen wir feuer im kleinen freilandofen, der korb mit holz anthält alles, was man braucht. -> in ythan bank abbiegen richtung shivas, dann gleich erste rechts „smithbanks“ und nach hinten fahren. lovliest place we ever had!

der urlaub ist vorbei…

09.05.16 inverbervie – stonehaven – aberdeen – 58 km

heute vor einem monat sind wir losgeradelt. jetzt ist also die normale urlaubsfrist vorbei… mal sehen, was kommt…. in der regel sind wir mit dingen wie essen, bergaufradeln, bergabbremsen, gucken, schmerzen im knie, in der schulter, im oberschenkel, wo schlafen wir heute, an und ausziehen je nach wetter … mit fragen wie: hast du dich schon eingecremt? wo ist mein buff? vollbeschäftigt. also eine art existenzphilosophie… dass gestern muttertag (bei uns in der familie eher „elterntag“) war, haben wir erst realisiert, als die whatsapp von katharina kam. also allen müttern und vätern: ein dreifaches hurra auf euren lebenslangen dauerzustand!  übrigens sind alle rennradler, denen wir begegnen, sehr nett und grüssen mit aufmunternden kommentaren – nicht so arrogant wie in deutschland. auch die autofahrer auf den singletracks warten (meist) sehr geduldig undngrüssen freundlich. nur bei lastern und transportern muss man aufpassen, die haben es eilig…

ach ja: die etappe heut war ohne einzige wolke. wir haben die sommerhosen und kurzärmeligen shirts rausgeholt. und weil eva gestern gesagt hat, die osterglocken verblühen, sind wir heute morgen gleich mal an einigen grossen osterglockenfeldern vorbeigekommen. dunnottar castle thront beeindruckend am meer, versteckt sich aber gerne hinter den hügeln. stonehaven hafen präsentiert sich blau. viele kilometer lang winden wir uns um den neubau der umgehungsautobahn um aberdeen, die eine riesenschneise in die landschaft schlägt. wir haben glück, keiner der baustellenabschnitte ist heute gesperrt… auf einmal sind wir in der covebay kurz vor aberdeen, geniessen den meerblick. dann umrunden wir den leuchtturm von aberdeen. atemberaubend, wenn man um die ecke biegt und die skyline und den hafen von aberdeen vor augen hat, mit all den riesigen schiffen, dahinter die kirchtürme…

sonnensonntag

08.05.16 arbroath – montrose – inverbervie – 52 km

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so sehn wir grad aus – damit ihr’s nicht vergesst

nach echt schottischem frühstück mit eiern, bohnen, bacon und „tattie scones“ (was fladenbortartiges mit kartoffeln im teig) geht es hügelauf und hügelauf und hügelab durch die felder. bauern setzen kartoffeln (anfang mai!), die osterglocken verblühen langsam, jetzt gibt es tulpen! die lerchen machen einen ohrenbetäubenden lärm, man meint, man hat einen neuen tinnitus… von oben eine wunderschöne aussicht auf die bucht und den strand. dann durchs sonntäglich ruhige hafenviertel von montrose, auf dünenwegen und durch wald zum viadukt über den north esk. wir nehmen die A92 um den sehr steilen anstieg nach st. cyrus zu umgehen. auf der A92 geht es dafür stetig hoch. in jonnishaven kehren wir ans meer zurück, vespern auf einem windgeschützten sonnenbänkchen – kurzärmelig, es wird warm! dann nehmen wir den küstenpfad, obwohl er 3 meilen schieben bedeutet. die schweren räder können wir auf offroadstrecken kaum halten. das radwandern erfordert nicht nur bein-, sondern auch jede menge arm-arbeit. wir kriegen ausser strammen waden auch oberarmpäckchen… ja, und da sind wir schon in inverbervie, machen uns auf dem idyllischen camping mit zeltwiese an der berviemündung einen gemütlichen nachmittag, mit schwalben, entenbibberle, möwen, staren…

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suchbild: wie viele entenbibberle bewacht die entenmutter?